Wie die OeNB in ihrer jüngsten Umfrage feststellt, knausern österreichische Banken wegen der schlechten Konjunktur und der nach wie vor nicht gelösten Eurokrise bei der Vergabe von Firmenkrediten. Das trifft vor allem jene Branchen, die sehr langfristiges Kapital benötigen wie etwa die Tourismuswirtschaft. Deren Rückgänge bei Krediten sind auch stärker ausgefallen als in der Gesamtwirtschaft (vgl. Tourismusbank-Blog). Der Grund dafür liegt in der schwierigen Refinanzierungssituation der österreichischen Banken und in den Kursrückgängen bei europäischen Staatsanleihen, die als Sicherheit für großvolumige Finanzierungen hinterlegt werden können. weiterlesen
Die Tourismuswirtschaft hat die jüngsten Wirtschaftskrisen bisher mit nur leichten Schrammen überstehen können. Die Reisefreude des Publikums blieb nahezu ungebrochen, nur bei der Höhe der Ausgaben gab man sich etwas zurückhaltend. Da war es dann auch nicht verwunderlich, dass sowohl Hotellerie als auch Gastronomie wenig zögerlich bei Investitionen war. Die Veränderung der Verschuldung (lt. Großkreditevidenz der OeNB, ein objektiver Indikator für die Investitionstätigkeit) zeigte auch im Krisenjahr 2009 eine Dynamik, die deutlich über der Gesamtwirtschaft lag. Noch gute Ertragslage der Unternehmen, ein rasch verabschiedetes Konjunkturpaket und die Hoffnung auf eine kurze Abschwungphase mögen dafür verantwortlich gewesen sein. weiterlesen
Nun ist es beschlossen und offiziell: Im heutigen Ministerrat wurden auf Antrag Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner die für Tourismusprojekte verfügbaren ERP-Kreditmittel für 2012 von 33 auf 50 Millionen Euro aufgestockt, was einem Plus von über 50 Prozent entspricht. Die Vertreter der Wirtschaftskammer haben die Aufstockung der Mittel für den Tourismus in der zuständigen ERP-Kommission aktiv unterstützt. Ein schöner Erfolg. Die ERP-Kredite stehen schwerpunktmäßig für den Ausbau der touristischen Infrastruktur (Hotellerie, Beschneiung,…) zur Verfügung. Fortgeführt wird 2012 auch das ERP-Kleinkreditprogramm, das im Rahmen des Jahresprogramms für alle Branchen mit 50 Millionen Euro dotiert ist. Die Bandbreite des Kreditvolumens reicht von 10.000 bis 100.000 Euro. Abgewickelt werden die Kredite über die Österreichische Hotel- und Tourismusbank ÖHT.
Seit Tagen dominieren Wirtschaftsnachrichten die Schlagzeilen wie selten in den letzten Jahren. Griechenland und möglicherweise weitere Staaten im Euroraum haben aufgrund verantwortungsloser Budgetpolitik und unter bewusster Verschleierung ihrer tatsächlichen Situation die jeweiligen nationalen Haushalte an den Rand des Ruins gefahren. Basierend auf der Annahme, dass ein Mitglied des Euroraumes nie in Zahlungsschwierigkeiten kommen könne, haben Banken, Versicherungen und Pensionsfonds die scheinbar sicheren Staatsschulden finanziert.
Diese Annahme und einige andere mehr haben sich als falsch herausgestellt und jetzt geht man daran, an den den Banken, die Welt zu retten indem man ihnen in erster Linie höhere Eigenkapitalquoten, eine höhere Liquiditätshaltung und andere Einschränkungen ihres Geschäftes verordnet, von denen man annimmt, dass sie das Finanzsystem stabiler machen. weiterlesen
Der Absturz des Euro gegenüber dem Schweizer Franken ist fürs heimische Tourismusangebot nicht unbedeutend: Der Österreich-Urlaub wird für Schweizer billiger und der Mitbewerber Schweiz leidet unter einem saftigen Preisanstieg für ausländische Gäste. Die Schweizer werben daher intensiver und kreierten den Slogan „Schweiz statt Geiz“ und investieren die Rekordsumme von 48 Mio. CHF in die Sommerkampagne.
Starke Nerven brauchen aber die vielen heimischen Hoteliers, die auch CHF-Kreditschuldner sind: Alleine in Tirol ist die Tourismusfinanzierung in Franken 1,2 Mrd. Euro schwer! Für Kreditnehmer bedeutet der aktuelle Kurs erhebliche Mehrkosten. Jeder einzelne Franken-Schuldner sitzt auf nicht realisierten Kursverlusten von bis zu 28%! Dieser Betrag muss auch in die jährliche Bilanz übernommen werden und drückt die Eigenkapitalquote weiter nach unten. Neufinanzierungen sind teurer und schwieriger und könnten am Ende des Tages das Angebot schwächen.
Auch die TAI hat sich dieser Thematik angenommen. Wir haben exklusiv für den TP-Blog Volkswirt-Herausgeber Ronald Barazon zum Interview gebeten:
Dieser Tage wurde eine Studie des KMU-Forschungsinstituts veröffentlicht, welche die Lage der Kleinen und Mittleren Unternehmen insgesamt als schwierig darstellt. Fast die Hälfte von ihnen befindet sich in der Verlustzone und die Aussichten sind aufgrund der neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken auch nicht rosig, da diese mit Sicherheiten die Finanzierungskosten verteuern werden.
Da lohnt es sich auch einen Blick auf die KMUs in der Tourismuswirtschaft zu machen. Wenn man nur zwei Kennzahlen heranzieht nämlich Eigenkapitalausstattung und Entschuldungsdauer so zeigt sich, dass die 4- bzw. 5-Sterne-Hotellerie im Durchschnitt knapp die vom Gesetzgeber vorgegebene Eigenkapitalausstattung verfehlt. Auch die Entschuldungsdauer, die derzeit bei 16 Jahren liegt, gibt keinen Anlass zur Entspannung. Rund die Hälfte der Unternehmen wäre daher derzeit aufgefordert Restrukturierungsmaßnahmen einzuleiten. (Vgl. dazu www.oeht.at – Bilanzvergleich) weiterlesen
Die Geschäftsführung der ÖHT weist in ihrem Beitrag zum aktuellen Tourismusbericht (ab S. 51), der im nächsten Tourismusausschuss am 7. Juni präsentiert wird, auf eine gefährliche Entwicklung hin: Die operativen Ausgaben der Hotellerie – insbesondere der 4- und 5-Sterne-Häuser – steigen stärker als die Einnahmen. Die Preise konnten aufgrund des zunehmenden Mitbewerbs nicht der Inflation angepasst werden. Eigenkapital und Entschuldungsdauer leiden. Sobald die Zinsen wieder ansteigen, so der Schluss der ÖHT-Experten, sind Zahlungsengpässe zu befürchten. Die TAI hat dies in bekannt professioneller Art und Weise zusammengefasst: http://www.tai.at/index.php/de/hotel/hotellerie/2048-zins-zeitbombe-tickt-lage-fuer-hotellerie-nicht-rosig-
Das Ringen um die Fortführung des Skigebietes Mutterer Alm südlich von Innsbruck macht – wieder einmal – deutlich, dass Private Public Partnership-Lösungen für touristische Infrastrukturen oft auf tönernen Füßen stehen: da gibt es einen privaten Unternehmer, der sich aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Betrieb zurückzieht; da gibt es Schulden der Errichtungsgesellschaft, für die dieser private Unternehmer haftet; da gibt es einen jährlichen, beträchtlichen Abgang aus dem Betrieb; und es gibt (wie sooft in solchen Fällen) Pläne für eine “Flucht nach vorne” – im gegenständlichen Fall für einen Zusammenschluss des Skigebiets mit der Axamer Lizum. weiterlesen
Ein morgendlicher Streifzug durch den elektronischen Blätterwald bestätigt die in diesem Blog mehrfach geäußerte Befürchtung, dass es um so manche touristische Infrastruktur in diesem Lande nicht zum Besten steht. Vor allem dort, wo die öffentliche Hand über Jahre großzügig mittels Finanztropf diverse “Patienten” am Leben erhalten hat, apern nunmehr große Probleme aus. weiterlesen
Was zurzeit von Politikern über die sogenannte Stabilitätsabgabe (vulgo Bankensteuer) über die Medien verbreitet wird, das verlangt schon nach einer gehörigen Menge Schmerzensgeld.
Da wird doch tatsächlich einem für die Volkswirtschaft enorm wichtigen Wirtschaftssektor unter dem Vorwand diesen zu stabilisieren Geld abgeknöpft. Im selben Atemzug wird jedoch erwartet, dass ebendieser Sektor zeitgleich jegliche wirtschaftliche Vernunft über Bord wirft und auf eine betriebswirtschaftlich fundierte Kalkulation von vornherein verzichtet. weiterlesen