Der Absturz des Euro gegenüber dem Schweizer Franken ist fürs heimische Tourismusangebot nicht unbedeutend: Der Österreich-Urlaub wird für Schweizer billiger und der Mitbewerber Schweiz leidet unter einem saftigen Preisanstieg für ausländische Gäste. Die Schweizer werben daher intensiver und kreierten den Slogan „Schweiz statt Geiz“ und investieren die Rekordsumme von 48 Mio. CHF in die Sommerkampagne.
Starke Nerven brauchen aber die vielen heimischen Hoteliers, die auch CHF-Kreditschuldner sind: Alleine in Tirol ist die Tourismusfinanzierung in Franken 1,2 Mrd. Euro schwer! Für Kreditnehmer bedeutet der aktuelle Kurs erhebliche Mehrkosten. Jeder einzelne Franken-Schuldner sitzt auf nicht realisierten Kursverlusten von bis zu 28%! Dieser Betrag muss auch in die jährliche Bilanz übernommen werden und drückt die Eigenkapitalquote weiter nach unten. Neufinanzierungen sind teurer und schwieriger und könnten am Ende des Tages das Angebot schwächen.
Auch die TAI hat sich dieser Thematik angenommen. Wir haben exklusiv für den TP-Blog Volkswirt-Herausgeber Ronald Barazon zum Interview gebeten:
Dieser Tage wurde eine Studie des KMU-Forschungsinstituts veröffentlicht, welche die Lage der Kleinen und Mittleren Unternehmen insgesamt als schwierig darstellt. Fast die Hälfte von ihnen befindet sich in der Verlustzone und die Aussichten sind aufgrund der neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken auch nicht rosig, da diese mit Sicherheiten die Finanzierungskosten verteuern werden.
Da lohnt es sich auch einen Blick auf die KMUs in der Tourismuswirtschaft zu machen. Wenn man nur zwei Kennzahlen heranzieht nämlich Eigenkapitalausstattung und Entschuldungsdauer so zeigt sich, dass die 4- bzw. 5-Sterne-Hotellerie im Durchschnitt knapp die vom Gesetzgeber vorgegebene Eigenkapitalausstattung verfehlt. Auch die Entschuldungsdauer, die derzeit bei 16 Jahren liegt, gibt keinen Anlass zur Entspannung. Rund die Hälfte der Unternehmen wäre daher derzeit aufgefordert Restrukturierungsmaßnahmen einzuleiten. (Vgl. dazu www.oeht.at – Bilanzvergleich) weiterlesen
Die Geschäftsführung der ÖHT weist in ihrem Beitrag zum aktuellen Tourismusbericht (ab S. 51), der im nächsten Tourismusausschuss am 7. Juni präsentiert wird, auf eine gefährliche Entwicklung hin: Die operativen Ausgaben der Hotellerie – insbesondere der 4- und 5-Sterne-Häuser – steigen stärker als die Einnahmen. Die Preise konnten aufgrund des zunehmenden Mitbewerbs nicht der Inflation angepasst werden. Eigenkapital und Entschuldungsdauer leiden. Sobald die Zinsen wieder ansteigen, so der Schluss der ÖHT-Experten, sind Zahlungsengpässe zu befürchten. Die TAI hat dies in bekannt professioneller Art und Weise zusammengefasst: http://www.tai.at/index.php/de/hotel/hotellerie/2048-zins-zeitbombe-tickt-lage-fuer-hotellerie-nicht-rosig-
Das Ringen um die Fortführung des Skigebietes Mutterer Alm südlich von Innsbruck macht – wieder einmal – deutlich, dass Private Public Partnership-Lösungen für touristische Infrastrukturen oft auf tönernen Füßen stehen: da gibt es einen privaten Unternehmer, der sich aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Betrieb zurückzieht; da gibt es Schulden der Errichtungsgesellschaft, für die dieser private Unternehmer haftet; da gibt es einen jährlichen, beträchtlichen Abgang aus dem Betrieb; und es gibt (wie sooft in solchen Fällen) Pläne für eine “Flucht nach vorne” – im gegenständlichen Fall für einen Zusammenschluss des Skigebiets mit der Axamer Lizum. weiterlesen
Ein morgendlicher Streifzug durch den elektronischen Blätterwald bestätigt die in diesem Blog mehrfach geäußerte Befürchtung, dass es um so manche touristische Infrastruktur in diesem Lande nicht zum Besten steht. Vor allem dort, wo die öffentliche Hand über Jahre großzügig mittels Finanztropf diverse “Patienten” am Leben erhalten hat, apern nunmehr große Probleme aus. weiterlesen
Was zurzeit von Politikern über die sogenannte Stabilitätsabgabe (vulgo Bankensteuer) über die Medien verbreitet wird, das verlangt schon nach einer gehörigen Menge Schmerzensgeld.
Da wird doch tatsächlich einem für die Volkswirtschaft enorm wichtigen Wirtschaftssektor unter dem Vorwand diesen zu stabilisieren Geld abgeknöpft. Im selben Atemzug wird jedoch erwartet, dass ebendieser Sektor zeitgleich jegliche wirtschaftliche Vernunft über Bord wirft und auf eine betriebswirtschaftlich fundierte Kalkulation von vornherein verzichtet. weiterlesen
Sie wurde ja lange genug angekündigt. Dafür hat die Regierung sogar einen Verfassungsbruch riskiert. Was dann herauskam war meilenweit entfernt von angekündigten strukturellen Reformen, die Einschränkungen für die notorischen Verschwender (ÖBB, Bundesländer, Krankenkassen) gebracht hätten. Was aber immer herauskommt, wenn Staatsfinanzen zu sanieren sind – neue Belastungen für Bürger und Unternehmen. weiterlesen
Wie EU-Kommissar Michel Barnier am Montag angekündigt hat, werden derzeit neue Regelungen geplant, das Finanzsystem stabiler zu machen (Basel III). Neben den Verpflichtungen mehr Eigenkapital zu unterlegen, könnte auch das Privileg einer bevorzugten Kapitalunterlegungspflicht von Immobilienkrediten fallen. Schließlich hat die Immobilienblase in Spanien aber auch in Irland und Großbritannien gezeigt, dass es im Falle einer Überhitzung und eines darauffolgenden Platzens einer Spekulationsblase zu teilweise massivem Wertverfall der verpfändeten Immobilien kommen kann. In der Folge haben die Banken dann viel Geld verloren und sind selbst in Schwierigkeiten gekommen. weiterlesen
Das allseits bekannte Basel-II-Regelwerk wurde mit der Erwartung in Kraft gesetzt das weltweite Finanzsystem, das eine wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren der Volkswirtschaften ist, stabiler zu machen. Aber kaum hatte es seine volle Wirkung entfaltet, hat sich die größte, in den letzten Jahrzehnten erlebte Finanzkrise ausgebreitet wie ein Flächenbrand. Die dafür notwendigen Löschaktionen werden die nationalen Budgets noch auf Jahre belasten und in Basel geht man wieder daran, neue Vorschriften auszubrüten, um das Regelwerk zu verbessern. weiterlesen
Seit dem Auftreten der Finanzkrise gibt es für Privatkunden kaum mehr Kredite in fremder Währung. Auf dringenden Wunsch der FMA (Finanzmarktaufsicht) wurden keine Fremdwährungskredite mehr vergeben. Ab Mitte März d. J. wird diese Empfehlung für die Banken verpflichtend und damit wird sowohl der Fremdwährungskredit für Privatpersonen als auch der Kredit mit Tilgungsträgern unmöglich gemacht. Letztere hatten ja im Zuge der Finanzkrise sehr enttäuschende Ergebnisse und manchen Kreditnehmer an den Rand des Ruins gebracht. weiterlesen