3. Mai 2020 | 12:02 | Kategorie:
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Die AUA und die Hotellerie

Unterstützung für die AUA im Disput

Die Diskussion um die Zukunft der Austrian Airlines wird entweder von Hardcore-Befürwortern oder von ebensolchen Gegnern in sozialen Medien und Leserbriefen sehr vehement geführt. Gerade bei emotional geführten Disputen lohnt es sich, die Faktenlage nicht aus dem Auge zu verlieren:

  • Der letzte veröffentlichte Jahresabschluss der AUA aus dem Jahr 2018 zeigt ein Unternehmen, das mit knapper Eigenkapitalausstattung und schwacher Ertragslage im Wesentlichen auf Sanierungskurs ist.
  • 2019 wurden mit mehr Flügen und mehr Fluggästen weniger Erlöse nämlich rd. 2,2 Mrd. Euro erzielt. Dabei ist das EBIT weiter im Tiefflug und mit einer EBIT-Marge von 0,9 % alles andere als üppig.
  • Die AUA ist dabei in guter Gesellschaft, denn auch andere europäische Fluglinien erleben keine wirtschaftlichen Höhenflüge. Die einst stolze Lufthansa-Group bringt es 2019 bei Erlösen von rund 16 Mrd. Euro auf eine EBIT-Marge von 3,3 %. Das wird wohl auch nur einen verhaltenen Applaus ihrer Aktionäre auslösen.
  • Der Preiswettkampf am europäischen und internationalen Himmel, ausgelöst durch Billigcarrier, hat dafür gesorgt, dass die Bäume keineswegs in den Himmel wachsen. Die günstigen Preise führen zwar dazu, dass immer mehr Passagiere fliegen. Die Bilanzergebnisse heben dabei aber nicht ab. Im Gegenteil – notwendige Einsparungs­programme führen zu Arbeitskämpfen und Unmut unter der Belegschaft, zu Streiks und gestrandeten Passagieren.
  • Die Coronakrise mit Grenzschließungen und Reisewarnungen hat mit Beginn des Jahres 2020 alle Sanierungs­bemühungen zerstört und die gesamte Reisebranche weltweit an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gedrängt.

Maßnahmen der Regierung für Bevölkerung und Unternehmen

Die Regierung in Österreich hat sehr rasch auf diese Bedrohung reagiert und durch umfangreiche Maßnahmen dafür gesorgt, dass die Ansteckungsgefahr im internationalen Vergleich niedrig gehalten werden konnte. Gleichzeitig wurde für die betroffenen Unternehmen ein Hilfspaket entworfen, das eine schnelle Unterstützung durch staatsgarantierte Überbrückungskredite bereitstellt und in der Folge – im Falle besonderer Betroffenheit – auch nicht rückzahlbare Zuschüsse in Aussicht stellt.

Beträchtliche Unterschiede in der Höhe der Unterstützung

Vergleicht man allerdings die Hilfe für das nationale Luftfahrtunternehmen mit den Unterstützungen, die ein Hotel erwarten darf, das durch die Krise betroffen ist, werden schon beträchtliche Unterschiede sichtbar.

Die Austrian Airlines haben im vergangenen Wirtschaftsjahr etwa 2,2 Mrd. Euro an Umsatz erzielt und dabei etwa 7.000 Personen beschäftigt. Im Zusammenhang mit der notwendigen Reduktion der Flugkapazitäten in Europa werden mittelfristig wohl nur rund 80 % der bisherigen Arbeitsplätze bestehen bleiben. Bezieht man die gesamte Staatshilfe (die sich aus Zuschüssen, Beteiligungen und Haftungsübernahmen zusammensetzt) auf die gesicherten 5.600 Arbeitsplätze, so errechnen sich Staatsausgaben von rd. 137.000 Euro pro Arbeitsplatz.

Hotelbetriebe dürfen keine Sonderbehandlung erwarten und werden mit dem für die Wirtschaft bereitgestellten Unterstützungen das Auslangen finden müssen. Am Beispiel, des Median-4-Sterne-Hotels, das über etwa 100 Betten verfügt und etwas mehr als 2 Mio. Euro an Umsatz p.a. erzielt, kann ein staatsgarantierter Kredit von rund 560.000 Euro erreicht werden. Falls dieser Betrieb eine besondere Beeinträchtigung durch die Schließung erlebt und die höchstmögliche Subventionsstufe erreicht wird, ist zusätzlich noch ein verlorener Zuschuss von rd. 230.000 Euro möglich. Bezieht man diese beiden Unterstützungen auf die langfristig in dem Unternehmen gesicherten etwa 25 Arbeitsplätze, so errechnen sich in diesem Fall rd. 32.000 Euro pro Arbeitsplatz.

Dieser Vergleich hinkt naturgemäß, weil unterschiedliche Staatshilfen in einen Topf geworfen werden. Trotzdem macht es betroffen zu sehen, wieviel an Unterstützung große Unternehmen deren Namen mit dem nationalen Prestige verbunden ist, erwarten können. Die Vielzahl der KMUs ist – allen Beteuerungen zum Trotz – offenbar weniger wichtig oder kann ihre Betroffenheit nach wie vor weniger intensiv vermitteln.

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