20. Dezember 2018 | 16:45 | Kategorie:
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Niederösterreichs Skigebiete – die Türöffner

Wo liegt die Geburtsstätte des alpinen Skilaufs? Am Arlberg? In Kitzbühel? In keinem von beiden, sondern in Lilienfeld im Mostviertel! Dort hat Mathias Zdarsky an der Übertragung der nordischen Skilauftechnik auf die Alpen getüftelt und 1890 die dafür geeignete Skibindung entwickelt. Zudem wurde dort 1898 der Lilienfelder Skiverein aus der Taufe gehoben – das war drei Jahre vor der Gründung des Ski Club Arlberg.

Aufbau, Stagnation und Rückgang

Die Schwerpunkte des alpinen Skilaufs haben sich dann jedoch in andere Regionen verlagert und die ab 1950 entstandenen Skigebiete in Niederösterreich waren schon bald mit großen Herausforderungen konfrontiert: Die drückende Konkurrenz durch die großen Skigebiete, die stagnierende Zahl der Skiläufer, die zunehmend unsichere Schneelage, um nur die wichtigsten zu nennen.

Angesichts der misslichen Lage mancher Skigebiete hat das Land Niederösterreich das Heft in die Hand genommen und 2011 unter dem Dach der ecoplus, der Wirtschaftsagentur des Landes, die Niederösterreichische Bergbahnen Beteiligungsgesellschaft (NÖ-BBG) gegründet. Diese hat die Aufstiegsanlagen in Annaberg, St. Corona am Wechsel und Mönichkirchen-Mariensee praktisch zur Gänze übernommen und am Hochkar sowie am Ötscher maßgebliche Anteile erworben.

Ebenfalls auf Betreiben des Landes entstand 2013 das Projekt „Bergerlebnis Niederösterreich“. Ziel dieser Initiative ist es, in neun Skigebieten attraktive Ganzjahresangebote zu schaffen, wobei Wandern und Mountainbike sowie familienorientierte Anlagen wie Sommerrodeln, Motorikpark oder Hochseilgarten die Sommerschwerpunkte bilden.

Motivation für Entwicklungsimpulse

Mit diesen Bemühungen soll die Wirtschaft in den peripheren Regionen gestärkt und für die Bevölkerung Niederösterreichs sowie für die Gäste ein attraktives und ganzjährig verfügbares Bergerlebnisangebot geschaffen werden.

Voraussetzung dafür sind Investitionen in Infrastruktur und Angebotsentwicklung. Beides wird auf weite Strecken aus öffentlichen Töpfen finanziert, verbunden mit der strategischen Steuerung durch Land, ecoplus und NÖ-BBG. In Summe besteht der Beitrag der öffentlichen Hand für die touristische Regionalentwicklung aus einem Mix von Infrastrukturen (auch Hotels), Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage und Kostenmanagement.

Stärken und Zielgruppen der Skigebiete

Primäre Zielgruppen sind Familien mit Kindern, Einsteiger und Wiedereinsteiger in den Skilauf sowie sportliche Skiläufer. Zu ihren Stärken zählen die Skigebiete die gute Erreichbarkeit aufgrund der Nähe zu den Ballungsräumen in Ostösterreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn sowie die Familienfreundlichkeit. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis wird ins Treffen geführt.

Maßnahmen zur Belebung der Nachfrage

Um den Wintersport anzukurbeln und den genannten Zielgruppen den Zugang zum Skilauf zu erleichtern, lanciert Niederösterreich eine Reihe von Aktionen: Dazu zählen das Programm „Volksschulen zum Schnee“, die „Familienskitage“ mit 50 % Ermäßigung auf Tageskarten oder die „Snow Fun Academy“, die ein qualitätsvolles Skischulangebot sicherstellen soll. Hierher gehören aber auch die Gratis-Skipässe für die Wiener Neustädter Pflichtschulkinder im Skigebiet Unterberg, für die das Stadtoberhaupt sein Bürgermeistersalär zur Verfügung stellt.

Die wintersportbezogenen Leistungen, die in Niederösterreich erbracht werden, beinhalten noch einen weiteren Aspekt, der zur Motivation und Imagebildung für den alpinen Skilauf beiträgt: die Aktivitäten des Skiclub Göstling am Fuße des Hochkars. Der Verein versteht sich als Talenteschmiede und er nützt seinen Hausberg, um Spitzenskiläuferinnen und -läufer wie Thomas Sykora, Kathrin Zettel oder Katharina Gallhuber hervorzubringen.

Ein Blick auf das Angebot und das Marktpotenzial

Die Eckdaten in der Tabelle vermitteln eine Vorstellung von der Dimension der Skigebiete in Niederösterreich und vom Umfang der Nachfrage.

Ergänzend zur Tabelle sei festgehalten, dass in den Skigebieten Niederösterreichs ca. 8 % der Skier Days auf die Schulaktionen des Landes entfallen und über die Aktion „Volksschulen zum Schnee“ jährlich rund 30 % der Schülerinnen und Schüler der ersten vier Schulstufen in Niederösterreich und Wien mit dem Pistenskilauf in Berührung kommen.

Positive Effekte für Region und Land

Aus der Sicht der großen Player unter den Skigebieten mögen die Daten zum Pistenskilauf in Niederösterreich nicht gerade aufregend erscheinen. Der Ausbau von und die Nachfrage nach ganzjährigen Bergerlebnisangeboten, die in hohem Maße auf der Steigerung der Attraktivität der Bergbahnen und Skigebiete sowie den begleitenden Maßnahmen beruhen, lassen jedoch eine Reihe positiver Auswirkungen erwarten. Für Niederösterreich sind dies:

  • Impulse für die Wirtschaft in peripheren Regionen, die vom Ausbau der freizeittouristischen Infrastruktur und ihren multiplikativen Wirkungen ausgehen.
  • Zukunftsperspektiven für die Bevölkerung im ländlichen Raum und damit Umkehr oder zumindest Abschwächung der Abwanderungstendenzen.
  • Steigerung der Zahl der Aufenthaltsgäste und der Tagesausflüge im Winter und im Sommer, was der Weiterentwicklung der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Niederösterreich insgesamt zugutekommt.
  • Wohlfahrtswirkung für die Bevölkerung Niederösterreichs (z.B. attraktive Freizeitangebote, Motivation zu Aufenthalt und Bewegung in der Natur, Beitrag zur Volksgesundheit).

Ausstrahlung auf die großen Skigebiete

Die niederösterreichischen Skigebiete sind für viele Sportbegeisterte aus den städtischen Agglomerationen im Osten Österreichs sowie aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn die Türöffner zum Wintersport in Österreich.

Klein und überschaubar bieten sie ideale Voraussetzungen, um den Skilauf zu erlernen, und sie sind dank ihrer raschen Erreichbarkeit eine perfekte Spielweise für diejenigen, die sich auch in nur kurzen Zeitfenstern skiläuferisch fit halten wollen. Kleine Skigebiete wecken bei ihren Gästen früher oder später das Interesse an einem umfangreicheren Pistenangebot. Sie übernehmen somit eine wichtige Aufgabe bei der Sicherung des Skinachwuchses für die großen Skiarenen.

Mag das Gesamtvolumen der Skier Days in den niederösterreichischen Skigebieten auch überschaubar sein, so dürfen die davon ausgehenden Schneeballeffekte keinesfalls unterschätzt werden: Etwa die Beispielwirkung für andere Regionen mit Kleinskigebieten, die schrittweise Vergrößerung des Anteils der skiaffinen Bevölkerung in ihren Einzugsgebieten oder der bereits erwähnte positive Einfluss auf die Nachfrage in den großen Skidestinationen.

Kitzbühel und Unterberg – Kooperation von Groß und Klein

Angesichts der Sinnhaftigkeit des Zusammenwirkens von großen und kleinen Skigebieten hat sich – zunächst zufallsbedingt – eine enge Kooperation zwischen dem Skigebietsriesen Kitzbühel und dem Kleinskigebiet Unterberg in den östlichen Voralpen ergeben. Die Kooperation betrifft zum einen die technische Ebene, d.h. die Weitergabe von Know-how, die Bereitstellung von Ersatzteilen für ältere – in Kitzbühel nicht mehr in Betrieb stehende – Pistengeräte sowie die preisgünstige Abgabe eines in Kitzbühel nicht mehr benötigen Pistengeräts. Zudem offerieren die Bergbahnen Kitzbühel für Saisonkartenbesitzer des Skigebiets Unterberg Rabatte auf Tageskarten und, gemeinsam mit Kitzbühel Tourismus, günstige Packages.

23. Dezember 2018, 19:16

Es könnte auch interessant sein den Wintersport anzukurbeln, wenn alle Studenten in Österreich ein ähnliches Program erhielten, wie die „Volksschulen zum Schnee“, mit 50 % Ermäßigung auf Tageskarten.
Zu meiner Uni-Zeit in Wien, sind wir leider nicht Ski fahren gegangen und solch ein Program in Verbindung mit dem ÖBB, könnte den Wintersport ebenfalls einen Boost verpassen. Was meint ihr liebe Leser?

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