20. Februar 2021 | 13:28 | Kategorie:
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#Tourism 4 Future: Aufruf zu einem evidenzbasierten Tourismus!

Unlängst meinte ein lieber Freund und regelmäßiger Leser meiner Kolumne:  Deine Statements sollten anhand konkreter Beispiele – ich würde sie „Leuchtturmprojekte“ nennen – aufgewertet werden. Sonst bleiben sie im gut gemeinten Allgemeinen „hängen“. 

Ich gab ihm recht. Ja, positive Beispiele wären jetzt wichtig! Gerade jetzt, wo Corona der menschlichen Psyche einiges abverlangt. Aber: Wo sind die?

Ein Aufruf an die Gemeinschaft

Wer solche „Leuchtturmprojekte“ kennt, bitte lassen Sie mich davon wissen! Gerne schreibe ich darüber. Trotz meines umtriebigen Interesses an nahezu allem Neuen im Tourismus, kenne ich kein Beispiel, das ich mit gutem Gewissen präsentieren könnte.

Was transformative Leuchtturmprojekte im Tourismus leisten müssen

Sie müssen zwei Kriterien erfüllen:

  • Eine Veränderung im menschlichen Verhalten bewirken!
  • Diese Veränderung muss quantitativ belegt werden können!

Zur Veränderung im menschlichen Verhalten

Technische Neuerungen allein sind zu wenig. Klar sind entsprechende Angebote unverzichtbar, die effizientere, emissionsärmere Rohstoffnutzungen ermöglichen. Strom aus Sonnen- und Windkraft statt Kohle und Erdöl beispielsweise. Oder Elektromotor statt Verbrennungsmotor für die Mobilität. Doch wissen wir heute, dass diese Neuerungen allein den Fußabdruck nicht merklich reduzieren. Nicht in dem Ausmaß, wie es nötig wäre. Siehe dazu das Key Visual des Artikels mit dem Transformationspfad zur österreichischen Klimaneutralität bis 2040.

Stichwort: Rebound-Effekt. Technische Effizienzsteigerung wird in der Regel durch Mehrausgaben von Konsument*innen zunichte gemacht.

Die Erkenntnis daraus: Erst wenn sich technische Innovationen und Änderung der Verbraucher-Gewohnheiten paaren, werden wir Erfolg haben.

Zur Quantifizierung des Erfolgs

Vergleich Fußabdruck vorher mit Fußabdruck nachher. Ökologischer und CO2-Fußabdruck.

Diese Bedingung lässt sich nur mit einem evidenzbasierten Tourismus erfüllen.

Das lässt sich zweifellos bewerkstelligen. Z.B. regelmäßige Erhebung der Fußabdruckwerte und Ökobilanzen von Tourismusbetrieben und Regionen. Gemeinsam mit dem TUN-Netzwerk entwickle ich gerade ein solches Pilotprojekt. Es verbindet klimafreundlich verhaltenswirksame Angebote mit Messdaten für alle (!) klimarelevanten Parameter (Mobilität, Ernährung, Konsum, Wohnen).

Warum es ohne evidenzbasiertem Tourismus nicht geht

Weil wir ohne empirische Evidenz keinen Kompass haben. Wir wissen nicht, ob Maßnahmen greifen. Wir investieren, sind aber blind für die Folgen. Ja, für diese Evidenz braucht es Mut, Stärke, Offenheit und Ehrlichkeit. Sich selbst und anderen gegenüber. Eigenschaften, die in unserer Welt eher dünn gesät sind, fürchte ich.

Ein gutes Ende

Lassen Sie mich dennoch mit einem Beispiel schließen, wie es sich mein lieber Freund gewünscht hat. Es hat den programmatischen Namen „Puparium“; nach der schützenden Hülle, in der sich die Raupe in den Schmetterling verwandelt. Entworfen als Ort, an dem Menschen partnerschaftlich-spielerisch und mit Blick in die Zukunft ihre Gewohnheiten verändern. In erster Linie gedacht für einen flächendeckenden Einsatz als Wiege des Neuen im österreichischen Tourismus.

Dass dieses Beispiel den oben genannten Kriterien entspricht und funktioniert, beweise ich Ihnen gerne!

Frank, Pekny Klimaneutralitätspfad Österreich 2020-2040

21. Februar 2021, 18:27

Lieber Gerhard,

Ja, technische Lösungen sind wichtig, reichen aber alleine nicht, da gebe ich Dir vollkommen recht. Verhaltensänderung funktioniert meiner Meinung nach über Vorleben und über Kommunikation.

Wenn die Einheimischen in den sanft-mobilen Tourismusorten dann selbst die 200 Meter zum Bäcker mit dem SUV fahren, werden die Gäste eher weniger gern zu Fuss gehen. Oder wenn, dann mit einem seltsamen Gefühl. Genauso ist es mit der Wertschätzung der eigenen regionalen Produkte und des lokalen Handwerks.

Die Kommunikation von Nachhaltigkeit ist immer noch oft moralin-gesäuert, wenig attraktiv und schon gar nicht motivierend. Aber es geht eben nicht um Verzicht um die Welt zu retten, sondern es geht um lustvollen Gewinn an Bequemlichkeit, Komfort und Lebensfreude – je nachdem worüber wir reden. Aber auch in der Marketingsprache spiegeln sich die Meinung und Wertschätzung derjenigen, die Marketing machen. Wir sind wiederum beim Vorleben.

Eines der neuen Zauberworte in der Nachhaltigkeits-Kommunikation ist Nudging. Mit sanftem Anstupsen die Empfänger in die gewünschten Richtungen lenken. Wunderbare Erfahrungen damit gibt es her mit Verhaltensänderungen in der Unterkunfts – die klassischen Bereiche Wasser, Licht, Abfall, u.ä.. Weitaus schwieriger zu ‚nudgen‘ dürfte das Mobilitätsverhalten sein. Hier sind wir gerade am Lernen und Testen, wie das funktionieren kann.

22. Februar 2021, 10:59

Ich möchte den Vorschlag zur nachhaltigen Erprobung menschlicher Befähigungen machen: ich denke, es könnte vielleicht vielen, auch wohlhabenden, Leuten gefallen, dass, selbst wenn sie lieber weiter gewohnheitsmäßig in ein bequemes Hotel fahren, sie sich von dort aus (ev. mit Kindern und/oder Enkelkindern) – statt sich in umweltzerstörerische EVENT-/Abenteuerzonen zu begeben, um sich dort die Zeit zu vertreiben – sie sich freiwillig zur „Mitarbeit am Bauernhof“ entscheiden könnten. Ich stelle mir vor, das würde für viele eine sehr bereichernde Betätigung sein!

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