5. Juli 2019 | 17:30 | Kategorie:
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Tourism for Future. Diese Wirtschaft tötet

Drastische Worte. Stammen von keinem Geringeren als dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Franziskus. Publiziert 2013 im apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“.
Diese Wirtschaft tötet. Aktuelle Daten und Fakten dazu sind der täglichen Presse zu entnehmen. Z.B. Wirtschafts- und Klimaflüchtlinge, die in der Ägäis ertrinken. Das um sich greifende Sterben von Tier- und Pflanzenarten. Die Zerstörung von ganzen Lebensräumen wie z.B. dem brasilianischen Regenwald, der dabei ist in unseren Mägen zu verschwinden.
Auch der heutige Blogbeitrag von Uli Reisner gehört dazu, die von Urlaubsgebieten schreibt, denen der Kollaps droht.
Ebenso, dass kürzlich ein ganzes Bundesland den Klimanotstand ausgerufen hat. Mittlerweile gebe es in Österreich mehr Hitze- als Verkehrstote, so der Begleittext einer Vorarlberger Politikerin.

2015 hat der Papst noch eins draufgelegt – seine Umweltenzyklika Laudato si´. Empfehle ich jedem Menschen als Abend- oder Urlaubslektüre. Nicht nur praktizierenden Christ/innen, sondern gerade auch Andersgläubigen sowie Atheisten und Agnostiker/innen. Und Touristiker/innen sowieso.

Ein Satz daraus liegt mir besonders am Herzen: Nicht die Technik wird unsere Probleme lösen, sondern eine Veränderung des Menschen.

Ein falsches Versprechen

Zur Sache: Ich wurde vom Tourismus Wissen – quarterly Herausgeber um einen kritischen Artikel zum Plan T gebeten. Erscheint Mitte Juli. Der Artikel analysiert das Kernversprechen des Plan T – Wirtschaftswachstum ganz ohne Nebengeräusche.
Fazit: ist physikalisch schlicht unmöglich. Weil jede menschliche Wertschöpfung ihren Preis hat – eine in Relation dazu jeweils größere Unordnung in der Umgebung. In Form von Schmutz, Luftschadstoffen, Mikroplastik in den Weltmeeren, CO2 in der Atmosphäre, Gift in den Böden usw. Bessere Wirkungsgrade und technisches Recycling können diesen Prozess zwar mildern. Aber es gibt weder einen hundertprozentigen Wirkungsgrad noch ein hundertprozentiges Recycling. Kann man in jedem besseren Lehrbuch der Physik nachlesen.
Würden wir ewig wachsen, würden daher auch die materiellen Quellen bald endgültig versiegen. Vom zunehmenden Dreck ganz zu schweigen, der sich dabei in der Umwelt verteilt. Und den wir schließlich wieder aufnehmen – mit der Atmung, der Nahrung, dem Trinkwasser.

Die Schattenseite der Energie

Diese Tendenz zur Unordnung ist ein physikalisches, thermodynamisches Faktum, wissenschaftlich Entropie genannt. Ein Naturgesetz wie die Lichtgeschwindigkeit oder die Schwerkraft. Wir können ihr nicht entkommen. Auch der österreichische Tourismus nicht. Sie im Kontext einer zukunftstauglichen Entwicklung zu ignorieren ist nicht blind oder ein Versehen, sondern schlichtweg unverantwortlich. Unwissenheit und Ignoranz schützt auch in diesem Fall vor Strafe nicht. Doch bestraft die Richterin Natur nicht nur die Täter, sondern alle, auch die Unschuldigen. Siehe Erderwärmung.

Nachhaltigkeit mit offenen Augen

Eine enkeltaugliche Zukunft kann es nur geben, wenn wir die physikalischen Grundlagen dafür intuitiv verstehen und akzeptieren. Und Entropie ist die elementarste dieser Grundlagen.

Wohlbefinden ist auch innerhalb entropischer Randbedingungen möglich. Nur müssen wir anders wirtschaften, anders haushalten als bisher. Und dieses andere Wirtschaften müssen wir jetzt entwickeln. Schritt für Schritt. Von einer für die Naturgesetze blinden Wachstumswirtschaft hin zu einer Wirtschaft im Fließgleichgewicht mit der Natur. Einem niederentropischen Haushalt, der an die Stelle unserer gegenwärtigen hochentropischen, energieintensiven Lebensweise tritt.

Der Tourismus ist dafür als Bühne höchst geeignet

Aus zwei Gründen: Erstens, weil wir es aus einer Position der Stärke tun und Dinge daher ausprobieren können. Und zweitens, weil Gäste gerade im Urlaub gerne Dinge entdecken und daher aufgeschlossen für Neues sind. Weiß schon, habe ich früher bereits geschrieben. Aber Wiederholung schadet nicht. Ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass eine Botschaft ankommt.

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