15. Januar 2019 | 16:56 | Kategorie:
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Heilklima als touristisches Asset

Lassen sich durch moderne Ansätze der Inszenierung oder Erkenntnissen aus dem Experience Design vermeintlich altmodische Faktoren wie Heilklima oder Luftgüte touristisch nutzbar machen? Anbei einige Gedanken dazu…

 

Für den TP-Blog hat Prof. (FH) Dr. Kai T. Illing, Associate Professor an der FH JOANNEUM den nachstehenden Beitrag verfasst:

Wertvolles Gut: Sauber Luft

Angesichts von Klimawandel und Luftverschmutzung erscheint das Thema Heilklima im Zusammenhang mit Tourismus überaus aktuell. Diskussionen, die davon sprechen, dass Klimaflüchtlinge heiße Küstengebiete meiden werden und stattdessen in frischer Bergluft ihre Sommerfrische suchen, werden immer wieder durch aktuelle Ereignisse befeuert (z.B. Fahrverbote). Man sollte jedoch nicht denken, dass Küstengebieten grundsätzlich über weniger saubere Luft verfügen als bergige Regionen. Meeresluft kann ebenso Heilklima sein wie Bergluft, wenn bestimmte Reinheitswerte eingehalten werden. Wir wissen, dass Therapien mit Heilklima schon seit langer Zeit im Leistungskatalog so mancher Gesundheitssysteme sind, und wir erinnern uns an die Zeiten, in denen Tuberkulöse ihre Atemwege in Schweizer Höhenluftkurorten zu heilen versuchten. Es gibt genug Menschen, die in schadstoffbelasteten Zentren leben (z.B. Peking, Mumbay) und möglicherweise Orte mit guter Luft oder darüber hinaus sogar Therapie und Heilung suchen. Immerhin darf an dieser Stelle erwähnt werden, dass Heilklima ein breites Einsatzgebiet hat, welches von Haut- und Atemwegserkrankungen bis hin zu Herz- und Kreislauferkrankungen reicht.

Inszenierung als Schlüssel zum Erfolg

Das Sachgut Luft jedoch ist überaus vulnerabel und hat Schwächen in der Vermarktung: Ein Ort mit guter Luft, egal ob am Meer oder in den Bergen, kann schnell an Qualität verlieren, wenn neue Autobahnen oder Industriegebiete gebaut oder wenn großräumig und länger anhaltend schadstoffbelastete Luft herangeführt wird (Vulkanausbrüche, Brandrodungen). Außerdem ist der Nachweis der Luftqualität schwierig, weil die Luftgütegutachten schwer zu verstehen sind. Ein Ausweg wäre es, Luftqualität greifbar zu machen. Inszenierung, Erlebbarkeit und interaktives Lernen von gesundem Klima und seinen Vorzügen könnten in diesem Zusammenhang ein interessanter Ansatzpunkt sein, um gute Luft mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Auf diese Weise könnte auf Kundenseite besser verstanden werden, dass Klima einen Wert hat, für den es sich lohnt, Geld auszugeben. Aktuell laufen am Institut für Gesundheits- und Tourismusmanagement Forschungsarbeiten, die sich mit der Frage beschäftigen, wie das Heilklima auf moderne Art und Weise in Wert gesetzt werden kann.

 

Kai illing ist Lehrender an der FH JOANNEUM Graz/Bad Gleichenberg mit Schwerpunkt Management gesundheitstouristischer Betriebe. Sein Schwerpunkt liegt in der Entwicklung von Medical Hotels.

 

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