22. April 2022 | 10:00 | Kategorie:
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Ressourcen schonen: NGOs und Touristiker an einen Tisch!

Vor wenigen Monaten noch undenkbar – jetzt schreckliche Realität: ein Krieg mitten in Europa. Es sind vor allem die menschlichen Tragödien und die sinnlose Zerstörung wertvoller Infrastruktur, die uns betroffen machen. In diesen Wochen spüren wir auch überdeutlich, was es heißt, wenn Ressourcen knapp werden oder drohen, überhaupt nicht mehr verfügbar zu sein.

Der beste Zeitpunkt für einen Neustart

Diese Erfahrung rückt das Thema Nachhaltigkeit noch mehr in den Fokus jeder und jedes Einzelnen, aber auch ganzer Branchen. Vor Corona gehörte Tourismuskritik zum täglichen Brot von NGOs. Die Kritik ist leiser geworden, weil Corona kein Wachstum zuließ und der Krieg jetzt völlig andere Blickwinkel vorgibt. Aber schon zuvor hat die Kritik polarisiert und die Gesellschaft gespalten, anstatt die Arbeit am gemeinsamen Lebensraum zu fördern. Auch wenn sich niemand einen Reset-Knopf in dieser Form gewünscht hat: jetzt wäre der beste Zeitpunkt für einen Neustart !

Das ökologische Augenmerk ist zurecht gestiegen. Trotzdem wurde man das Gefühl nicht los, dass Tourismus auf der einen Seite und NGOs wie Cipra und Alpenverein auf der anderen, wenig Bereitschaft zeigen, aufeinander zuzugehen, Argumente auszutauschen und sich erstmal überhaupt zuzuhören. Schnelles Fazit vieler Beteiligter: die Touristiker pfeifen auf den Umweltschutz und die NGOs pfeifen auf die Wirtschaftlichkeit und Existenzsicherung, die der Tourismus vielen bietet.

Das ist schade, denn im Grunde wollen beide wohl in weiten Teilen das Gleiche: bei den Touristikern ist längst angekommen, dass es ein Wirtschaften im Einklang mit der Natur braucht. Dass neue umweltverträglichere Formen von Mobilität für An- und Abreise gefunden werden müssen. Dass Beschaffungskreisläufe für lokale Produkte und Dienstleistungen optimiert werden müssen, um das gestiegene Bewusstsein für Regionalität abzuholen und um eine gerechte Verteilung der Wertschöpfung z.B. hin zur Landwirtschaft zu erreichen.

Lippenbekenntnisse? Mitnichten!

Viele Beispiele im Alpenraum beweisen die erfolgreiche Umsetzung dieser Strategien. Klarerweise gibt’s Luft nach oben. Aber auch engagierte NGOs dürfen Erreichtes würdigen, ohne ihr nachhaltiges Gesicht zu verlieren. Dieses Anerkennen umgesetzter Schritte fehlt vielfach.

Andererseits gibt es auch NGO-Vertreter wie Christian Baumgartner, Vizepräsident der internationalen Alpenschutzkommission CIPRA und Professor für nachhaltigen Tourismus. Baumgartner weiß sehr genau, dass der Tourismus in vielen Regionen Existenzgrundlage für die dort lebenden Menschen ist. Dass er für Ressourcenschonung und Umweltverträglichkeit plädiert, ist sein gutes Recht und seine Aufgabe.

Umso interessanter ist die Idee Baumgartners aus dem jüngsten Podcast des Vereins „Vitalpin“ (https://podcast.vitalpin.org/1798889/10398647-ressourcenverbrauch-unser-leben-auf-pump). In diesem schlägt er vor, eine gemeinsame Modellregion zu wählen, wo nachhaltiger UND wirtschaftlich erfolgreicher Tourismus diskutiert, konzipiert und umgesetzt wird. Genau solche gemeinsamen Projekte würden das gegenseitige Verständnis massiv verbessern und Kooperation statt Konfrontation fördern.

Innovationen und gute Ideen sind gefragt, so wie sie Baumgartner etwa im Zusammenhang mit den Hochburgen des alpinen Tourismus vorschlägt. Nachhaltigkeit geht auch dort, z.B. mit neuen Mobilitätskonzepten und einem für Gäste komfortablen und vorteilhaften Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel.

Und ja! Das wollen auch die Touristiker! Also bitte öfter an einen Tisch setzen und sich austauschen. Ohne verhärtete Standpunkte, dafür mit dem gemeinsamen Ziel einen nachhaltigen alpinen Tourismus der Zukunft zu gestalten.

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Die hohen Energiekosten...
  • ...müssen die Tourismusbetriebe großteils selbst schlucken.
  • ...müssen vom Staat abgefedert werden.
  • ...müssen auf die Preise umgelegt werden.
  • ...werden uns erhalten bleiben.
  • ...sind nur durch nachhaltige Lösungen zu senken.
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