3. September 2017 | 18:37 | Kategorie:
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Gastkommentar: Wer nix wird, wird Wirt!

Ich verfolge die Entwicklung der Mitarbeitersituation nun schon seit bald 20 Jahren. Durch meine Beratertätigkeit  komme ich natürlich in viele Hotelbetriebe in Europa. Dabei nehmen sich die Personalprobleme unterschiedlich aus.
In den südlichen Gegenden Europas ist die Arbeitslosigkeit so hoch, dass die einheimische Bevölkerung froh ist für jeden Job der im Tourismus entsteht. In unseren Gegenden sind die Einheimischen froh, wenn sie nicht in der Gastronomie arbeiten müssen. Es ist aber nicht so, dass die Einwohner Südeuropas lieber im Tourismus arbeiten als die Einwohner Österreichs. Der Unterschied besteht einzig und allein im Maß des Wohlstands, den wir in Mitteleuropa genießen.

„Wenn ich sonst nichts finde, dann gehe ich eben kellnern.“

Dienstleistung auf scheinbar niederem Niveau zu erbringen hat in unserer Gesellschaft keinen hohen Stellenwert. Aus diesem Grund haben wir nicht nur in der Gastronomie, sondern auch in der Pflege, Betreuung, Kindergartenpädagogik zunehmend Personalprobleme. Diese Berufe erfordern hohen persönlichen Einsatz und Motivation der Mitarbeiter.

Über die entsprechende Entlohnung in diesen Branchen wird seit Jahren erbittert gestritten. Zum Teil zu recht. Grundsätzlich kann ich hier nur sagen, dass ständig deshalb nur um Geld und Arbeitszeiten gestritten wird, weil der Branche die Vision fehlt. Dieser Streit ist quasi nur der Schmerzensschrei einer offenen Wunde an einer ganz anderen Stelle: Der Perspektivenlosigkeit und der Sinnentleerung.

Wie könnte man für die Zukunft Mitarbeiter gewinnen?

Die Hotellerie in Österreich ist ein stark fragmentierter Sektor mit unterschiedlichen Produkten in unterschiedlicher Qualität und Preislage. Was aber alle eint ist die Erbringung von Dienstleistung. Eine Änderung der Personalsituation lässt sich nur mit einem großen, langfristigen Ansatz lösen. Am besten lässt sich das an einem Beispiel erklären:
Ein Mitarbeiter im Service beginnt in einem Restaurant/Hotel zu arbeiten. Ausschlaggebend für ihn war nicht das Gehalt, auch nicht die Fünf-Tage-Woche (das ist für ihn sowieso Voraussetzung), sondern die Perspektive, die ihm geboten wurde. Er kann durch ein übergeordnetes System Ausbildungspunkte sammeln. Sein Betrieb ist nämlich Mitglied in einem Hotelzusammenschluss, der den Mitarbeitern Ausbildung und Aufstieg garantiert. Natürlich kann er in seinem derzeitigen Betrieb nicht aufsteigen, da dieser zu klein ist. Aber ihm wird garantiert, wenn er die Ausbildungsziele und die nötige Praxis in seiner derzeitigen Position erreicht hat, dann kann er zu einem anderen Hotel wechseln, das eine offene Position für seine Qualifikation bietet – und das länderübergreifend.
Das klingt eigentlich recht einfach. Das muss es auch sein, denn komplizierte Dinge werden von den Menschen nicht angenommen. Das hat Apple mit seinen Produkten bewiesen. Was im Hintergrund läuft ist eine ganz andere Sache.
Fortsetzung folgt…
4. September 2017, 7:49

Dass es bei der Mitarbeiterproblematik nicht vorrangig um Geld geht, lässt sich objektiv untermauern: Die österreichweite Studie „Das Ende der Branchenflucht im Tourismus“ hat deutlich aufgezeigt, dass die Lösung in Werten, Perspektiven und Wachstumschancen zu finden ist. Die Studie gibt´s kostenlos als Download auf https://www.doods.team/studie.html

4. September 2017, 8:40

toller gedanke zum wochenstart, danke michael

4. September 2017, 17:57

Hallo Fred,
es freut mich, dass meine Utopie etwas Resonanz findet.
Der zweite Teil meines Beitrags folgt am Mittwoch/Donnerstag.
Gruß Michael

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