7. Juli 2018 | 20:00 | Kategorie:
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Aus für Graz 2026

Gestern hat das Österreichische Olympische Comité bekannt gegeben, dass es mangels (landes-)politischer Unterstützung keine österreichische Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026 geben wird. Was bedeutet das Aus für Graz 2026 tourismuspolitisch?

Olympische Winterspiele 2026 mit der Host City Graz und einem zweiten Olympischen Dorf in oder rund um Schladming hätten sehr wahrscheinlich die Kernkompetenz des österreichischen Tourismus im Schneesport neu aufgeladen. Insbesondere im alpinen Skisport ist Österreich in dieser Hinsicht ohnehin sehr gut aufgestellt. In den diversen Disziplinen des Internationalen Skiverbandes FIS war in jüngerer Vergangenheit auch die Steiermark bereits Gastgeber von Weltmeisterschaften. Olympische Winterspiele haben aber natürlich noch eine ganz andere, weltweite Strahlkraft.

Graz hatte 2003 das Veranstaltungsjahr als Kulturhauptstadt Europas genutzt, um sich touristisch zu profilieren. Aber auch hier gilt, dass Olympische Winterspiele – passend zur Charakteristik der Host City und auf der Höhe der Zeit inszeniert – Image und Reputation einer Stadt international auf Jahrzehnte hinaus positiv prägen können. Sehr wahrscheinlich hätte die touristische Infra- und Suprastruktur in Graz mehr profitiert als in touristisch ohnehin hochentwickelten Austragungsorten wie Schladming.

Besonders reizvoll wären bei Graz 2026 aus tourismuspolitischer Sicht drei Aspekte gewesen:

  1. Die heimische Kultur und Kompetenz im Schneesport auf moderne Disziplinen und Bewerbe wie beispielsweise Slopestyle zu verbreitern und auch das Langlaufen stärker zu forcieren.
  2. Obwohl es sich um eine Wintersportveranstaltung handelt, die Region Schladming bzw. die Steiermark international als ganzjährige Destination für den Bergurlaub zu positionieren.
  3. Klimawandelanpassung und Nachhaltigkeit ganz bewusst zum Thema zu machen.

Dass es mit einer österreichischen Olympiabewerbung zum wiederholten Male nicht geklappt hat, liegt wohl an der Größe und Komplexität der Aufgabe selbst. Angesichts deren nämlich ein Grundkonsens in allen beteiligten Gebietskörperschaften – sogar auf gesamtstaatlicher Ebene – und darüber hinaus bei relevanten Stakeholdern wie dem in Verbänden und Vereinen organisierten Sport zwingende Voraussetzung für eine erfolgreiche Vorbereitung und Durchführung ist.

Chancen und Risiken einer Sportgroßveranstaltung in diesem Zusammenhang ausgewogen und in sich konsistent darzustellen, ist schon keine leichte Aufgabe. Und darauf aufbauend muss in unserer demokratischen Gesellschaft auch erst einmal eine breite Koalition für das Vorhaben gebildet werden …

Quelle: ÖOC / olympia.at

9. Juli 2018, 17:28

Aus den Überlegungen von Markus Redl zum „Aus für Graz 2026“ möchte ich die Komplexität von Großereignissen wie die Olympischen Winterspiele herausgreifen Will man in unseren demokratischen Gesellschaften einen solchen Megaevent auf den Weg bringen, braucht es meiner Einschätzung nach nicht allein den Grundkonsens aller beteiligten Gebietskörperschaften und diverser Stakeholder. Die große Herausforderung besteht darin, die Menschen vom Sinn der Sache zu überzeugen und den daraus resultierenden Nutzen zu belegen (sofern Megaevents für viele direkt und indirekt Betroffene überhaupt einen greifbaren Nutzen bringen).

Was die Olympischen Winterspiele 2026 anbelangt, so ist das weder in Tirol noch im Wallis (Sion 2026) gelungen, und wäre es in der Steiermark doch noch zu einer Volksabstimmung gekommen, so hätten diejenigen, die Wetten auf einen negativen Ausgang abgeschlossen hätten, vermutlich gute Gewinnchancen gehabt.

Da angesichts der Nachhaltigkeitsdebatten und Diskussionen um „einfache Spiele“ stets auf die bereits bestehenden Sportanlagen verwiesen wird, und diese nahezu ausnahmslos in bereits hoch entwickelten touristischen Standorten liegen, würden von Olympischen Spielen in allererster Linie die bereits bestehenden Zentren des Tourismus profitieren.

Und damit zu dem, was mir in den letzten Wochen und dem vollzogenen Wechsel der politischen Führung in Innsbruck bei diversen Gelegenheiten aufgefallen ist und was im Konnex von Olympia-Volksabstimmungen einiges an Relevanz besitzt:

Angesichts der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen Menschen in allen Bevölkerungsschichten stehen, schätzen es die Leute, wenn Politiker nicht irgendwelchen Megaprojekten nachjagen, sondern ihnen zuhören und ihre Sorgen ernst nehmen. Sie schätzen Politiker, die glaubwürdig sind und klar sagen, in welche Richtung Entwicklungen gehen sollen und dazu bei den Betroffenen nach jenen Schnittmengen Ausschau halten, auf denen gemeinsam getragene Lösungen aufbauen können. Und da sind den Menschen Dinge, die ihnen tagtäglich unter den Nägeln brennen und die zu ihrer Lebensqualität beitragen um vieles wichtiger, als schwer fassbare Megaevents wie Olympische Winterspiele, deren Nutzen für die breite Bevölkerung nicht zu Unrecht in Frage gestellt wrd.

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