12. September 2023 | 15:04 | Kategorie:
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Statistik: Umsätze nominell und real

Die Statistik Austria veröffentlichte vor etwa einer Woche folgende aktuelle Zahlen:

Die österreichischen Dienstleister erwirtschafteten im 2. Quartal 2023 ein Umsatzplus von 3,8 %. Die höchsten Umsatzsteigerungen verbuchte dabei der Bereich Beherbergung und Gastronomie mit einem Plus von 10,6 % zum Vorjahresquartal. Auch die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (+9,2 %) und der Bereich Information und Kommunikation (+4,7 %) erzielten Umsatzzuwächse.

Bevor man auf diese Zahlen zu euphorisch reagiert, ist Vorsicht geboten: Der Umsatzindex der Statistik Austria wird im Dienstleistungssektor nur für den Handel auch real (das heißt preisbereinigt) publiziert. Dieser Wert wäre allerdings auch für den Tourismus sehr wesentlich, um eine tatsächliche Einschätzung dessen zu erlauben, was auf die Branche in den kommenden Monaten zukommen könnte.

Sehen wir uns im Vergleich dazu die Kostenseite des Unternehmens an:

Stichwort Energiekosten: Laut Energiepreisindex der Österreichischen Energieagentur sind im Zweijahresvergleich, von Juli 2021 zu Juli 2023, die Energiepreise um etwa 50 % gestiegen. Dabei stechen Fernwärme (+95%), Holzpellets (+60%) und Erdgas (+216%) besonders ins Auge.

Stichwort Lohnkosten: Bei den Lohnkosten verzeichnen Unternehmer seit dem 1. Mai ein durchschnittliches Plus von 9,3%; die Lehrlingseinkommen stiegen um 13,6 %, der neue Mindestlohn beträgt 1.800 € brutto.

Stichwort Lebensmittelpreise: Gegenüber dem Vorjahr nahm der EU-weite Verbraucherpreisindex (HVPI) für den Teilindex Lebensmittel im Juli 2023 um +12,4 % zu. Die mit Abstand größten Steigerungen verzeichneten im Vergleichszeitraum von „Zucker, Marmelade, Honig, Schokolade und Konfekt“ (+17,9 %) und  „Gemüse“ (+ 17,2%). Der generelle Verbraucherpreisindex nahm im Juli gegenüber dem Vorjahr um +6,1 % zu.

Dazu kommen die rasant steigenden Finanzierungskosten, sowie deutlich gestiegene, indexgebundene Ausgaben, wie zum Beispiel Versicherungen.

Die Bundessparte hat bereits bei ihrem Mediengespräch zu Beginn des Jahres auf den „toxischen Cocktail“ der sich abwärts drehenden Kostenspirale aufmerksam gemacht. Es ist daher unumgänglich, anhand der aktuellen Zahlen die tatsächliche wirtschaftliche Situation des heimischen Tourismus zu skizzieren. Nur so können wirksame Strategien entwickelt werden, um eine Entwicklung etwas abzudämpfen, die aus derzeitiger Sicht unumgänglich scheint: eine Pleitewelle.

13. September 2023, 8:35

Das alte Leiden: die Statistik lügt nie(!) – mit der Ausnahme manipulierter Umfragen oder Zahlen.
Die Interpretation der Zahlen lässt jedoch meist große Spielräume offen – Fehlinterpretationen eingeschlossen!

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