23. Dezember 2021 | 09:00 | Kategorie:
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Zur Lage der Skination

Jetzt kommt also keine Welle, sondern gleich eine Mauer auf uns zu. Omikron ist so viel infektiöser als Delta, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Inzidenzen in die Höhe schießen. Und selbst wenn die Verläufe nur halb so schwer wie bei Delta wären, die schiere Anzahl von (mehr oder weniger gleichzeitigen) Infektionen wird uns zu schaffen machen. Der gewöhnlich mehr als nur gut informierte Bill Gates spekuliert damit, dass es gerade aufgrund der hohen Infektiosität auch „nur“ drei Monate dauern könne, bis ein Land Omikron überstanden hat. Bis dahin müsse man aufeinander (und besonders auf vulnerable Personengruppen) schauen:

That means wearing masks, avoiding big indoor gatherings, and getting vaccinated. Getting a booster gives the best protection.

Es ist leider nicht auszuschließen, dass die drei zitierten Omikron-Monate in Österreich und Deutschland Anfang 2022 mit den normalerweise umsatzstärksten im Winter- bzw. Skitourismus zusammenfallen. Diese Pandemie lehrt uns, mit absoluten Wahrheiten oder Superlativen vorsichtig zu sein. Andererseits haben wir uns im Tourismus wohl ganz objektiv betrachtet seit der Nachkriegszeit noch nie in so einer schwierigen Situation befunden, die wir noch dazu selbst relativ wenig beeinflussen können. Denn in Wintersportorten und Skigebieten sollten ohnehin bereits alle zwischenzeitlich gelernten COVID-19-Präventionsmaßnahmen ergriffen werden.

Was bedeutet diese Lage für die Skination Österreich?

Immer stärkere Reisebeschränkungen und/oder erneute Betretungsverbote in der Hotellerie werden wohl zu einem kompletten Einbruch der Auslandsnachfrage und wahrscheinlich (im Unterschied zum Vorwinter) dazu führen, dass viele Skigebiete ihren Betrieb radikal zurückfahren oder überhaupt vorübergehend einstellen. Einzig Skigebiete in Tagesausflugsdistanz von inländischen Ballungszentren könnten die – allerdings auf die gesamte Volkswirtschaft bezogen eher bescheidene – Ausnahme von der Regel sein. Bei Reisebeschränkungen innerhalb von Österreich, Wiedereinführung von Mindestabständen oder gar Betretungsverboten (jeweils unabhängig vom Impf- bzw. Genesenenstatus) relativiert sich auch das.

Ein solches Szenario (mehr ist es derzeit ja nicht) ist erschreckend, zumal es strukturell – in Wiederholung von 2020/2021 – alle Leistungspartner trifft, bei weitem nicht nur Seilbahnbetriebe. Um Nachteilen in postpandemischen Zeiten vorzubeugen, was bei Verlust oder unkontrolliertem Ausverkauf von Infra- und Suprastruktur zweifellos der Fall wäre, müssten staatliche Hilfen möglicherweise in einem noch größeren Ausmaß als bisher fließen, da viele Betriebe ja bereits finanziell angeschlagen sind.

Dazu käme ein veritables Nachwuchsproblem. Denn wie Toni Innauer in Episode 15 des Podcasts „Pistenkilometer“ feststellt, hat der Spitzensport auch in der vergangenen Wintersaison sehr gut funktioniert. Probleme gibt es beim sportlichen Nachwuchs, in den Vereinen und Familien genauso wie an den Schulen. Wir hätten es jedenfalls gleich mit einer Serie von Wintersaisonen zu tun, in denen wesentlich mehr Menschen aus dem Schneesport aussteigen als sie neu begeistert und gewonnen werden können.

Vielleicht überrascht uns aber diese Pandemie erneut, die Prognosen zu Omikron treffen nicht zu — und wir kommen als Branche relativ unbeschadet durch diese Wintersaison. Unsere Langmut wird jedenfalls auf eine Probe gestellt, wie es sich Ihr Autor vor bald zwei Jahren nicht hat vorstellen können.

23. Dezember 2021, 11:20

Ohne weiteren Kommentar:

https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2021_II_569/BGBLA_2021_II_569.pdfsig

26. Dezember 2021, 23:10

Die Skination hat ja gleich mit mehreren Beeinträchtigungen zu kämpfen. Da sind einmal die aktuellen wie im gegenständlichen Beitrag ausgeführt, verursacht durch Corona und der damit einhergehenden Planungsunsicherheit und der Angst der Gäste sich in einer enge Gondel oder im Hotel anzustecken.

Dazu kommen aber auch langfristige Veränderungen, wie Klimawandel und ein damit einhergehender Ausfall etlicher Kleinskigebiete. Dieser Wegfall von Möglichkeiten das Skifahren zu erlernen führt wiederum zu eingem reduzierten Gästeaufkommen in der nächsten Generation. Daneben haben die Skigebiete laufende Erneuerung zu stemmen und sehen sich in letzter Zeit auch noch mit Personalmangel konfrontiert, der das Aufsperren behindert.

Langfristig wird es wohl zu einer weiteren Konzentration kommen, wo die hoch gelegenen, großen Skigebiete weiter profitieren werden, während die Kleinskigebiete und solche in Tallagen weiter von der Landkarte verschwinden werden.

Siehe Beitrag von Peter Haimayer: https://www.tp-blog.at/destinationen/lackenhof-und-wieder-ein-abschied

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