26. Juli 2022 | 09:38 | Kategorie:
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Gletscherskigebiete: Es ist wohl gut so!

Meine Gedanken zu den Ausführungen von Ulrike Reisner zur Verbindung der Gletscherskigebiete im Pitztal und Ötztal sind etwas länger geworden. Daher erlaube ich mir, diese in einen eigenen Blog-Beitrag zu fassen und nicht als Kommentar an ihren Text anzufügen.

Zusammenschluss seit langem angedacht

Die seilbahntechnische Verbindung der beiden Gletscherskigebiete wurde bereits vor Jahrzehnten angedacht, spätestens jedoch als es um die Festlegung der Grenzen für das Ruhegebiet Ötztaler Alpen ging. Seither wurde viel geplant, diskutiert und verhandelt. Zuletzt verordneten die Betreiber dem Projekt eine Nachdenkpause.

Sicherlich gaben bei der Volksbefragung in der Standortgemeinde nur wenige Stimmen den Ausschlag für die Ablehnung der „Gletscherehe“. Da es sich bei St. Leonhard im Pitztal jedoch um eine ausgesprochene Tourismusgemeinde handelt, liegt es auf der Hand, dass selbst viele im Tourismus tätige Menschen gegen den Zusammenschluss votiert haben. Es sind also, prozentual betrachtet, nicht wenige, die sich einen etwas anderen Weg in die touristische Zukunft vorstellen können.

Zweifelsohne ist der Tourismus das zentrale wirtschaftliche Standbein in vielen Bergtälern. Die Frage ist jedoch, ob wir nicht bereits genug Tourismus haben, damit die Bevölkerung davon gut leben kann. Ich denke schon.

Ende des exzessiven Ausbaus unabdingbar

Was spricht nun für ein Ende der exzessiven Ausweitung des touristischen Angebots im Hochgebirge, insbesondere in Gletscherregionen? Dafür gibt es eine Reihe von Gründen wie z.B.:

  • Der offenbar unaufhaltsame Rückgang der Gletscher und die dadurch erforderlichen extremen Eingriffe in die Natur, bis hin zur totalen Umwandlung von Landschaftszellen.
  • Speziell für das enge Pitztal stellt sich die Frage, wo der Platz für das erforderliche Mehr an Betten sein soll und, ganz wichtig, wer diese Betten denn finanzieren sollte.
  • Die landauf landab fehlenden Arbeitskräfte.
  • Die eklatante Nachfolgeproblematik in vielen Tourismusbetrieben.
  • Die nahezu 170.000 Unterschriften gegen den Zusammenschluss der beiden Gletscherskigebiete. Zum einen sind sie Tiroler*innen zuzuordnen, zum anderen zeigen sie, wie aktuelle sowie potenzielle Gäste aus dem In- und Ausland denken.
  • Die permanenten Umweltbeeinträchtigungen im Hochgebirge. (Im Zuge einer Bergtour überquerte ich kürzlich eine ausgeaperte Gletscherskipiste – unweigerlich drängte sich mir der Vergleich mit einer Müllhalde auf.)

Neuorientierung der Projektbetreiber erforderlich

Die Proponenten für den Zusammenschluss aus dem Ötztal bedauern den Volksentscheid in der Nachbargemeinde. Sie wissen jedoch, dass ihnen deswegen die Projektideen nicht ausgehen und sie im eigenen Tal noch einiges an Entfaltungsmöglichkeiten vorfinden. Und wenn die Pitztaler Gletscherbahnen nur kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Volksbefragung mitgeteilt haben, dass der Zusammenschluss für sie nun gestorben sei, so legt das die Vermutung nahe, dass ihnen dieses Resultat nicht ganz ungelegen kommt. Auch sie haben genug anderes zu tun, und sie leben beileibe nicht alleine vom Gletscher.

Der Blickwinkel entscheidet

Nun noch zur Eingangsfrage von Ulrike Reisner: Trendwende oder Kollateralschaden? Ich denke, das offensichtliche Aus für den Zusammenschluss der beiden Gletscherskigebiete ist aus der Sicht zahlreicher Touristiker*innen ohne Zweifel ein Kollateralschaden. Die Genugtuung, dass damit die Geschichte erledigt ist, dürfte aber selbst in der tourismusorientierten Bevölkerung deutlich überwiegen. Die Entscheidung der Menschen in St. Leonhard ist somit ein Puzzlestein einer Trendwende. Diese war bereits im Gange und wurde nicht erst mit dem Volksentscheid im innersten Pitztal eingeläutet.

 

4. August 2022, 18:37

Hier ein aktueller Medienbericht zur Situation der Gletscherskigebiete in Tirol, in der neben einer anerkannten Glaziologin und dem Landesumweltanwalt auch Betreiber von Gletscherskigebieten zu Wort kommen. https://www.tt.com/artikel/30827653/ein-fliessender-uebergang-tirols-gletscher-skigebiete-im-wandel. Der Beitrag enthält auch einige Strukturdaten zu den fünf Tiroler Gletscherskigebieten.

Auch wenn die witterungsbedingten Gegebenheiten im heurigen Sommer als Extremsituation eingestuft werden mögen, so kann es nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Überlegungen doch nur darum gehen, den Bestand zu sichern und auf künftige räumliche Ausweitungen zu verzichten.

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Die hohen Energiekosten...
  • ...müssen die Tourismusbetriebe großteils selbst schlucken.
  • ...müssen vom Staat abgefedert werden.
  • ...müssen auf die Preise umgelegt werden.
  • ...werden uns erhalten bleiben.
  • ...sind nur durch nachhaltige Lösungen zu senken.
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