25. Mai 2022 | 05:32 | Kategorie:
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In einen klimafreundlichen Tourismus investieren

Wer will noch mal wer hat noch nicht? Förderpreise für Nachhaltigkeit scheinen wie Herbstschwammerl aus der Erde zu schießen. Kürzlich wurde wieder ein derartiger Preis mit dem Namen KlimaInvestment verliehen. Erster Impuls: Schon wieder ein Klimaschutzpreis wie die vielen anderen davor….Genauer hinsehen lohnt sich aber, denn hinter dem KlimaInvestment-Preis steht eine Idee, die es so bisher noch nicht gegeben hat.

Auslöser war die Erkenntnis, dass sich viele Unternehmen im Klimaschutz engagieren wollen und bereit sind ihre CO2-Emissionen auf das derzeit technisch mögliche Minimum zu reduzieren. Für die restlichen, nicht vermeidbaren Emissionen wird dann meist zu Klimaschutzzertifikaten gegriffen um unser Klima zu schützen. Gut so, nur leider gibt es diese CO2-Kompensation derzeit vor allem im globalen Süden und nicht bei uns im Alpenraum. Genau das wünschen sich aber viele Unternehmen und deshalb wurde gemeinsam mit dem österreichischen Klimaschutzexperten ClimatePartner die Initiative KlimaInvestment ins Leben gerufen.

Booster für Leuchtturm-Projekte

Und so funktioniert’s: Klimaschutz-engagierte Unternehmen aus dem Alpenraum leisten freiwillige Prämienzahlungen in den KlimaInvestment-Topf. 65.000 Euro sind im ersten Jahr zusammengekommen um damit vorbildliche Projekte im Sinne von Klima- und Umweltschutz im Alpenraum zu unterstützten und vor den Vorhang zu holen.

Wer sind also nun die Vorzeigebetriebe, die Leuchttürme, die Beispiele, die zeigen, dass nachhaltiges Arbeiten und wirtschaftlicher Erfolg absolut kein Widerspruch sind – auch wenn das manche nach wie vor glauben? Die Nominierten und Siegerprojekte reden nicht nur vom Wandel. Sie läuten ihn ein: laut, hörbar, konsequent und erfolgreich.

Die Sieger: einfach zum Nachmachen!

Ganz oben auf der Siegerliste steht das Projekt EMMI-MOBIL. Hier ist es dem Allgäuer Lebensraumkonzept „Bad Hindelang 2030“ gelungen, Mobilität neu zu denken und ein bemerkenswertes Projekt für Einheimische und Gäste zu schaffen.

Die große Frage am Anfang war, wie man Gäste und Einheimische dazu bringt, ihr Auto stehen zu lassen. Die Lösung ist komfortabel und nutzerfreundlich: entwickelt wurde ein sogenanntes Rufbussystem. Ein Fahrgast ruft einen der beiden 9-Sitzer-Elektrobusse über eine App und wird abgeholt, wo er sich gerade befindet. So geht’s umweltfreundlich zum gewünschten Ziel. Das Projekt beeindruckt zweifach: einmal schützt es die Umwelt und verbessert die Lebens- und Urlaubsqualität. Zum anderen aber – und das ist wegweisend – profitieren Gäste UND Einheimische davon. Genau mit solchen Projekten wird ein besseres Miteinander von Lebens- und Wirtschaftsraum gestaltet. Damit war EMMI-MOBIL ein klarer Favorit für den ersten Platz.

Nicht weniger beeindruckend – um nicht zu sagen dramatisch – ist die Geschichte des Niedersteinhofs in Südtirol. Es ist die Story eines Phönix aus der Asche. Ein Brand hatte große Teile des Bauernhauses zerstört und zwang die Betreiber ganz neu anzufangen. Und das haben sie gründlich und nachhaltig getan.

Mit lokalen Handwerksbetrieben wurde ein Massivholzhaus gebaut. Holz, Lehm und Stein stammen aus der näheren Umgebung – genauso übrigens wie das Heu, das in den Böden und Tapeten Verwendung findet. Zwei Solaranlagen, ein Windrad und eine Wärmepumpe sorgen dafür, dass Bewohner und Gäste am Niedersteinhof immer mit Energie versorgt sind. Ja – und selbst die Mähmaschine läuft mit einem Akku, geladen mit klimaneutralem Strom. Eine Tragödie so zu nützen verdient allergrößten Respekt und wurde mit dem zweiten Platz belohnt.

Den dritten Platz haben sich schließlich das Südtiroler Skigebiet Carezza Dolomites und der Verein re.paro geteilt. Die einen sparen vorbildlich Energie ein und setzen auf einen breiten Stakeholderdialog um in der gesamten Region nachhaltig was zu bewegen, die andern holen kaputte Geräte per Fahrradtaxi ab, reparieren sie und verhindern so ein Stück Wegwerfgesellschaft.

Der KlimaInvestment-Preis hat noch viele weitere tolle Projekte vor den Vorhang geholt. Von Gastronomiebetrieben, über Reiseveranstalter bis hin zu Seilbahnen sind viele Sparten des Tourismus vertreten. Sie alle zeigen, dass sich Nachhaltigkeit und Klimaschutz lohnen: für unseren Lebensraum und ja: auch für wirtschaftlichen Erfolg!

Welche Vorzeigeprojekte würdet ihr gern vor den Vorhang holen?

 

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Die hohen Energiekosten...
  • ...müssen die Tourismusbetriebe großteils selbst schlucken.
  • ...müssen vom Staat abgefedert werden.
  • ...müssen auf die Preise umgelegt werden.
  • ...werden uns erhalten bleiben.
  • ...sind nur durch nachhaltige Lösungen zu senken.
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