1. März 2024 | 12:30 | Kategorie:
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Nature Restoration Law und alpiner Tourismus

Das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur ist am Dienstag im Europäischen Parlament verabschiedet worden, jetzt muss nur noch der Rat zustimmen. Wie der Name schon sagt, zielt das Gesetzesvorhaben darauf ab, die leider im großen Stil beschädigte Natur – konkret Feuchtgebiete, Flüsse, Wälder, Grünland, Meeresökosysteme und die Arten, die dort leben – zu „sanieren“: Es geht um Biodiversität, Klimaschutz und letztlich die Resilienz Europas.

Das Gesetz sieht konkrete Ziele vor, so sollen beispielsweise bis 2030 mindestens 20 % der Land- und Meeresgebiete wiederhergestellt werden oder sich die Grünfläche in europäischen Städten nicht verringern.

Die Auswirkungen auf Tourismus und Freizeit sind mannigfaltig, speziell in (vor)alpinen Landschaften. Denn das Nature Restoration Law verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten konkrete Maßnahmenpläne aufzustellen. In Schutzgebieten wie Nationalparks, Natura 2000-Gebieten oder Naturschutzgebieten war es auch schon bisher üblich in einem Managementplan unter anderem die allfällige Nutzung für Tourismus und Freizeit festzulegen.

In Zukunft wird ein strategischer Zugang bei der Besucherstromlenkung enorm an Bedeutung gewinnen. Das Prinzip „Skigebiet“, hohe Frequenz auf geringer Fläche, hat Modellcharakter.

Skigebiete als Vorbilder

In Österreich werden auf 237 Quadratkilometern Pistenfläche – gerade einmal 0,45 % der heimischen Alpen – mehr als 50 Millionen Skier Days erreicht. Zwischenzeitlich funktioniert aber auch der Sommertourismus – Wandern und Radfahren in unterschiedlichsten Spielformen – ähnlich erfolgreich, erfreulicherweise rund um bestehende Infrastrukturen wie beispielsweise Seilbahnen, Schutzhütten oder Wege. Winter- und Sommerangebote verschmelzen, die möglichst ganzjährige Nutzung von Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben ist weitverbreitet.

Damit Natur wiederhergestellt werden kann, braucht es spezielle Maßnahmen wie z.B. Wiederaufforstung mit größerer biologischer Vielfalt oder Fließgewässerrenaturierung — und somit besonderen Schutz. Umgekehrt wird die Nachfrage an Berg- und Naturerlebnissen steigen, speziell in heißen Sommern. Durch eine kluge Bespielung oder Inszenierung kann mit – relativ zum Besucheraufkommen – geringen Ressourcenverbrauch vielen Menschen ein hoher Erholungswert bzw. Freizeitnutzen geboten werden.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung, beispielsweise im Bereich der Mobilität, nutzen wir derzeit nur ansatzweise: Klarerweise müssen wir kontingentieren, also zahlenmäßige Obergrenzen einziehen, um Überforderung zu vermeiden. Wir müssen aber auch kulturell erreichen, dass bestehende Sportstätten, Spielplätze etc. möglichst optimal ausgelastet werden.

Es kommt eben in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft bzw. bei Sport und Bewegung nicht nur darauf an, möglichst wenig Boden, Wasser etc. zu verbrauchen, sondern dies auch in ein möglichst günstiges Verhältnis zur Nutzung zu bringen.

Vom Carbon Footprint zum Carbon Handprint

Die Ökologisierung bzw. möglichst weitreichende Dekarbonisierung aller Prozesse wird in den nächsten Jahren – allein schon wegen legislativer Maßnahmen wie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) – noch mehr im Mittelpunkt stehen.

Skigebiete werden zunehmend im eigenen Wirkungsbereich Energie produzieren, Wasser managen und Artenvielfalt fördern, in der Stadt wahrscheinlich auch Flachdächer oder andere Brachen für Sport und Spiel genutzt.

Der „Carbon Footprint“ wird reduziert, gleichzeitig kann aber auch der „Carbon Handprint“ erhöht werden: Alles was dazu beiträgt, den Klimawandel über die eigene Wertschöpfungskette hinaus zu reduzieren. Menschen können in Skigebieten bzw. ganzjährigen Bergresorts Natur hautnah erleben, könnten durch entsprechende Vermittlung auch für Klimaschutz im Allgemeinen und die Maßnahmen im Gefolge des Nature Restoration Law im Besonderen gewonnen werden.

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