22. September 2021 | 15:56 | Kategorie:
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„Wirtschaftsaufschwung“ mit explodierenden Kosten

Der Aufschwung stellt sich selbst ein Bein„, hieß es vor etwa 2 Wochen in verschiedenen Medien. Das WIFO hatte festgestellt, dass der Aufschwung der Weltwirtschaft „so unerwartet früh und kräftig“ eingesetzt habe, „dass die Produktion hinterherhinkt, Lagerbestände geräumt werden und Lieferengpässe entstehen“. Wesentlicher Motor des Aufschwungs war laut WIFO das Gastgewerbe, das zu mehr als 50 Prozent zu dem Quartalswachstum beigetragen hätte.

Im Zusammenhang mit den jüngst präsentierten Arbeitsmarktdaten mit rund 120.000 offenen Stellen österreichweit führte man in Regierungskreisen ebenfalls das unerwartet rasche Wirtschaftswachstum ins Treffen.

Die Kehrseite der Medaille sind eine noch nie dagewesene Staatsverschuldung und explodierende Kosten: „Die Staatschuldenquote stieg bis zum Ende des 1. Quartals auf 87,4% und damit auf den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1954. Die Maastricht-Grenze von 60% rückt damit in weitere Ferne“, so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas in einer Aussendung Ende Juni 2021.

Mindestens ebenso rasch wie der Aufschwung hat sich daher auch die Inflation entwickelt: Mit 3,2% war der Verbraucherpreisindex im August auf einem 10-Jahres-Hoch, angetrieben von explodierenen Treibstoff- und Energiepreisen. In Deutschland stiegen die Verbraucherpreise im August 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat sogar um 3,9 Prozent. Ob dieser Effekt allein mit der coronabedingte Senkung der Mehrwertsteuer vor einem Jahr und damit einhergehenden sinkenden Preisen bei vielen Gütern zurückzuführen ist, bleibt dahingestellt. Interessant in diesem Zusammenhang auch der galoppierende Baupreisindex, der nicht nur die ohnehin bereits starkt belasteten öffentlichen Haushalte trifft (Stichwort Infrastrukturen), sondern auch Restrukturierungsmaßnahmen und Versicherungen erheblich verteuert.

Was die Bewertung des wirtschaftlichen Aufschwungs betrifft, wird man diese und andere Parameter mehr kritisch in die Gesamtbilanz mit einfließen lassen müssen. Für den Tourismus und seine volkswirtschaftlichen Auswirkungen kann nur dringend angeraten werden,

  • rasch eine Neubewertung und Neuberechnung der monetären Wirkungen vorzunehmen,
  • die vor allem die Kostenseite, sowohl betriebswirtschaftlich als auch volkswirtschaftlich berücksichtigt,
  • und hierfür einen interdisziplinären Ansatz zu wählen.

Damit ist der Tourismus- und Freizeitwirtschaft über kurz oder lang der bessere Dienst erwiesen, als nur auf Auslastung und Umsatz zu schauen und dabei möglichst schnell wieder auf Vor-Corona-Niveau zu kommen.

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