21. April 2021 | 09:50 | Kategorie:
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Ein Winter für die Einheimischen

Ein Winter geht zu Ende, der in Bezug auf Wetter und Schneeverhältnisse kaum besser hätte sein können. Die Maßnahmen rund um den Lockdown und die damit verbundenen Folgen für den Tourismus wurden im Blog mehrfach angesprochen (siehe die Zusammenfassung von Ulrike Reisner) und in den Medien in vielen Details diskutiert.

Viel Platz für weite Schwünge

Auf Drängen vor allem der westlichen Bundesländer konnten die Skigebiete trotz Corona und z.T. harscher Kritik Anfang Winter ihren Betrieb aufnehmen, natürlich unter Einhaltung entsprechender Vorkehrungen wie verringerte Transportkapazität oder Masken- und Testpflicht. Von einigen Anfangsschwierigkeiten abgesehen ist die Sache auch rund gelaufen. Geschäft war es für die Skigebiete keines, wobei einige kleinere und agglomerationsnahe Anlagen durchaus befriedigende Ergebnisse einfahren konnten. Die großen Nutznießer waren quer durch die österreichischen Alpen die inländischen Skiläuferinnen und Skiläufer. Sie haben Verhältnisse vorgefunden, von denen sie in normalen Wintern nur träumen können.

Motive der Seilbahnunternehmen

Die Motivation der Seilbahnwirtschaft für die Öffnung ihrer Anlagen war wohl mehrschichtig. Sicher war in ihren Köpfen über eine längere Zeitspanne hinweg die Hoffnung verankert, dass im Laufe des Winters doch noch ausländische Gäste ins Land kommen können. Selbstverständlich spielte auch die Verantwortung für ihre Beschäftigten eine Rolle, verbunden mit dem Bestreben, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten. Mit ausschlaggebend war auch die – politisch mitgetragene – Überlegung, gerade in Corona-Zeiten der einheimischen Bevölkerung den Skilauf zu ermöglichen.

Dass die Seilbahnen mit dem Fokus auf die einheimische Bevölkerung richtig gelegen sind, bestätigen die unzähligen Dankesbezeugungen, die begeisterte Skiläuferinnen und Skiläufer entweder direkt an die Unternehmen oder über Leserbriefe und Statements in diversen Medien bekundet haben. Damit hat die Öffnung der Bahnen und die Bereitstellung gepflegter Pisten auch zu einer positiven Imagebildung für die Bergbahnunternehmen beigetragen – jedenfalls in ihrem räumlichen und gesellschaftlichen Umfeld.

Tourismusverbände und deren Partner zogen mit

Der wintersportaffinen Bevölkerung standen aber nicht nur die Aufstiegsanlagen und Skipisten zur Verfügung. Auch die Destinationen haben – teils im Zusammenwirken mit Gemeinden und Privaten – ihre Verantwortung wahrgenommen. Trotz einbrechender Budgets haben sie Langlaufloipen, Rodelbahnen, Winterwanderwege und Ausflugsparkplätze die gesamte Saison hindurch in einem ausgezeichneten Zustand gehalten. Auch diese Angebote kamen nahezu ausschließlich den in der Region lebenden Menschen zugute.

Mehr als ein Wermutstropfen war allerdings die geschlossene Berg- und Skigebietsgastronomie. Das allenthalben gebotene Take-Away bildete keinesfalls einen adäquaten Ersatz, wurde von vielen Gästen aber dankbar angenommen. Zweifellos hat die fehlende Gastronomie insgesamt zu einer Verringerung des räumlichen Aktionsradius geführt und zur zeitlichen Verkürzung der Outdooraufenthalte beigetragen. Zudem fehlte ein wichtiger Aspekt des Wintersporterlebnisses. Das gilt auch für die Skitourengeher, die bei ihren Tourenplanungen die Tatsache berücksichtigen mussten, dass sie auf Schutzhütten weder nächtigen noch sich verpflegen konnten.

Durchgehend positive Stimmung

Alles in allem liegt jedoch hinter jenen, die die gebotenen Schneesportmöglichkeiten nutzen konnten, ein exzellenter Winter. Der Dank gebührt daher all denen, die sich um die Bereitstellung dieser Angebote bemüht haben, wohl wissend, dass unter dem Strich rote Zahlen stehen werden. Sie haben damit einen wertvollen Beitrag zur physischen und psychischen Gesundheit vieler Menschen geleistet. Sichtbar wurde das u.a. daran, dass in der Winterlandschaft, sei es auf der Skipiste oder auf Skitouren, meist nur fröhliche Menschen und lachende Gesichter anzutreffen waren.

Tourismus und Lebensraum

Einmal mehr machte der vergangene Winter klar, dass die Bereitstellung einer derart umfangreichen und gepflegten Infrastruktur in weiten Teilen des Landes nur dank des Tourismus möglich ist. Und einmal mehr wurde uns die Rolle des Tourismus bei der Gestaltung des alpinen Lebensraumes vor Augen geführt. Damit ist für die Tourismusverantwortlichen aber auch eine große Herausforderung verbunden: Es gilt die touristische Weiterentwicklung stets mit den Bedürfnissen der regionalen Bevölkerung und dem sorgsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen in Einklang zu bringen.

22. April 2021, 6:39

Ja, so war es. Danke an die Arlberger Bergbahnen. Ein Winter wie damals von Schnee und Anzahl Menschen, meist auf Liften von heute.
Besser geht es nicht für den fanatischen Skiläufer. Es ist kein Geschäftsmodell, aber wir alle hoffen, es war nur einmal notwendig. So ist es ein einmaliger Winter gewesen

22. April 2021, 14:04

Lieber Herr Haimayer!
Eine sehr gute Zusammenfassung der abgelaufenen Wintersaison. Danke!
Wichtig wäre aus meiner Sicht ergänzend die Bedeutung der Gastronomie für den gesamten Freizeitbereich noch deutlicher hervorzuheben. Sie ist zwar nicht der Hauptzweck aller Outdoor-Aktivitäten, stellt aber was Lebensqualität bzw. Zufriedenheit betrifft einen offensichtlich unverzichtbaren Teilaspekt dar. Darauf hat die „Maßnahmen gestaltende Politik“ nicht genug Rücksicht genommen. Die Branche hat, neben der Hotellerie, viel investiert bzw. vernünftige Maßnahmen vorbereitet. Diese blieben unbeachtet und „unbedankt“. Darüber hinaus war sie in keiner Phase der Pandemie namhaft Cluster verursachend. Das ist für die laufenden Einschätzungen durch die Politik viel mehr als bisher zu berücksichtigen. Wir werden nämlich endlich lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Und das noch viele Monate (Jahre?)

22. April 2021, 15:44

Ein weiteres Motiv der Bergbahnen war sicher, den Saisonkartenbesitzern ein auf Öffnungstage und Pistenkilometern „zufriedenstellendes Angebot“ zu liefern um einerseits Diskussionen über eine Kaufpreiserstattung zu vermeiden und andererseits das Vertrauen für einen Wiederkauf im nächsten Winter zu erhalten.
Viele Bergbahnen haben jedoch weit mehr als die diesbezüglichen Mindestanforderungen erfüllt – danke .

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