26. März 2017 | 11:59 | Kategorie:
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Gibt es regionale Grenzen der Kooperation im Tourismus?

TVB oder DMO Grenzen versuchen oftmals, den Erlebnisradius für den Gast sowie binnenregionale Zusammenarbeit zu definieren oder zu zerstückeln – macht das Sinn?

 

Der gelernte Touristiker in Österreich ist mit ihnen groß geworden – mit Tourismusverbänden, früher auch liebevoll Verschönerungsverein oder Fremdenverkehrsverein, genannt. Früher gar in jedem noch so kleinen Dorf, inzwischen verstärkt in grössere (= schlagkräftiger? ) Einheiten gebündelt. Dabei ist einst wie jetzt relativ rasch klar: mia san mia, zuerst schauen wir auf uns! Die Bedürfnisse des Anglers müssen zuerst befriedigt sein,  erst dann die des Fisches, dem aber letztlich der Köder als allererstem schmecken muss!

Wer sich so manche künstlich in die Landschaft gezogene „DMO-Einheit“ näher betracht, stellt sich rasch die Frage: hat man sich dabei eigentlich etwas ( oder doch nichts ) gedacht? Und warum macht Angebotsentwicklung im Tourismus oftmals an Orts-, Gemeinde oder TVB-Grenzen Halt ?

Wieso der Zustand von Wander-, Radweg oder Loipe urplötzlich an einer nicht sichtbaren Grenze anders ( besser oder schlechter ) wird? Warum manches Dorf/Ort bzw. dessen Verantwortliche nach wie vor glauben, mehr vom Selben (z.B. das -xte defizitäre Schwimmbad, Skilift, Veranstaltungszentrum, Hunderte immer öfter schneelose Loipenkilometer oder ein Me(e)hr an austauschbaren Veranstaltungen ) anzubieten hieße schon BESSER als der Nachbar zu sein – ein kostspieliges Mysterium!

Kooperationen über TVB-Grenzen hinweg, in sinnvoll erleb- und nutzbaren Erlebnisräumen machen Sinn

Letztlich definiert der Erlebnisradius des Gastes die Grenze des Machbaren, und nicht die per Gesetz gezogene oder von manch Kirchturmdenkern herbeigewünschte Trennlinie. Oftmals behindern daher quer durch oder rund um ganze zusammenhängende Täler, Gebirgszüge oder Seenregionen gezogene Grenzen derartige Kooperationen!

Aber auch das Hinterfragen von per Gesetz mehr oder weniger schwammig verordneten Aufgaben, egal ob von NTO/LTO oder DMO, birgt dabei enormes Synergiepotenzial. Auch die sinnvolle und daher viel stärker als bisher zu belohnende Kooperation von TVBs, die Zusammenführung zu regionalen Bauhöfen, aber auch von Verwaltungseinheiten bis hin zum effizienten gemeinsamen Betrieb von Gästeinformation oder Büroorganisation würde wohl vielerorts enormes Einsparungspotenzial mit sich bringen ( selbiges würde übrigens auch für viele Gemeinden oder Behörden gelten ).

Die daraus freiwerdenden Mittel können so für wiederum effektivere, marktwirksame Maßnahmen verwendet werden. Die für private Unternehmer selbstverständliche Kosten-Nutzenoptimierung hingegen wird in öffentlich finanzierten LTOs/DMOs/TVBs, teils aus fragwürdigen regionalpolitischen Überlegungen, oftmals be-oder verhindert! Fraglich auch, wieweit es Sinn macht, inzwischen zu beachtlichen KMU-Größen angewachsene TVBs mit ehrenhaften, aber dennoch ehrenamtlichen Funktionären leiten zu wollen? Eine regionale GmbH, mit regionalen Aufsichtsräten, einer Mischung aus wirtschaftlichen Keyplayern und regionalen Interessensvertretungen könnte hier unter Umständen wesentlich sachorientierter und schlanker agieren und gleichzeitig regionales statt kleindörflichem Denken forcieren?

Auch wenn es manchmal wehtun kann und wird: ein gemeinsamer, intensiver und ergebnisorientierter Weiterentwicklungsprozess könnte so manche „Grenze“ in Landschaft und Geist wohltuend öffnen. Dadurch könnten auch viele Doppelgleisigkeiten im gemeinsamen Kampf um touristischen Erfolg und Marktanteile sukzessive beseitigt werden.
Daß dieser Prozess, von West nach Ost, angesichts riesiger Unterschiede in Budgets, Kompetenz oder Grössenordnungen im Tourismus durchaus unterschiedlich ausschauen kann (und muss), ist ebenfalls selbstredend.

Kooperation dort, wo es Sinn macht, aber nicht um jeden Preis!

Wie so oft kommt es dabei auf die perfekte Mischung zwischen klaren Spielregeln und größtmöglicher Flexibilität an, welche obendrein meist von den handelnden Personen zentral mitgestaltet wird.

Am Ende des (steinigen) Weges könnte jedenfalls als Belohnung eines warten: mehr Effizienz, Sinnhaftigkeit und auch Erfolg im Mitteleinsatz…..und schon jetzt gibt es zahlreiche Beispiele erfolgreicher, überregionaler Zusammenarbeit! Unser geliebtes Österreich verträgt mehr davon…

27. März 2017, 17:31

Ja sehr richtig. diese willkürlichen Grenzen sind wider die Inteessen des Gastes. Bei der Forcierung der Ausstellung der Sammlung Leopold habe ich es so richtig zu spüren bekommen. Saalbach wollte nicht mittun, Kitzbühel sehr gerne,, das Pillerseetal nur wenn vorher nur das und das geregelt wird,, die Ferienregion Nationalparrk prinzipiell ja, derr Hochkönig Region ja gerne, dh. man springt wegen einer Sache zu zig TVBs in einem Radius von sagen wir 50 km.
Anfang der 70 er hat Dr. Edinger für den Wolfgangsee ein Kozept gemacht bei dem er einen Zusammenschluss empfohlen hat. umgesetzt ca. 30 Jahre später. Dasselbe im Zillertal wo es Anfang der 80 er noch 22 TVB gegeben hat. Das Land Salzburg hinkt hier immer noch weit nach.

28. März 2017, 0:24

Zunächst darf ich eine Bemerkung von Franz Hartl vorausschicken, die er vor einiger Zeit im Hinblick auf einen Kommentar zu seinem Blog-Beitrag gemacht hat: Die Kürze eines Beitrags lässt es nicht zu, alle Aspekte eines Themas abwägend zu behandeln, er erlaubt es aber, relevante Punkte herauszugreifen und pointiert darzustellen. Und so verstehe ich auch den Beitrag von Gernot Riedl, der mehrere wichtige Fragen mit spitzer Feder anreisst. Zu einigen möchte ich meine Überlegungen einbringen.

Erlebnisradius des Gastes: Das war immer wieder Thema bei der Bildung von Destinationen. Nur was bringt er in letzter Konsequenz für die (verwaltungstechnisch unvermeidliche) Abgrenzung einer Destination? Die Erlebnisradien bilden nämlich ein Kontinuum. Sie sehen in ein und derselben Destination anders aus, je nachdem wo der Gast wohnt. So hat z.B. der Ötztaler Gast, der in Hochgurgl logiert einen weitgehend anderen Erlebnisradius als derjenige, der im äußeren Ötztal und mit einem Bein im Inntal untergebracht ist. Wenn man sich hier konsequent nach den Aktionsradien der Gäste orientiert hätte, würden die Grenzen der Destination heute wohl anders ausschauen, was, so wage ich zu behaupten, dem Gast überhaupt nichts bringen würde. Im Laufe der Jahre und mit gezielten Investitionen in die Infrastruktur sowie mit Hilfe der Ötztal-Card ist es gelungen, Einfluss auf die Aktionsradien der Gäste zu nehmen und eine auch in dieser Hinsicht kompakte Destination zu schaffen.

Grenzüberschreitende Kooperation: Was die Destinationsgrenzen überschreitende Zusammenarbeitet etwa bei der Produkt- und Angebotsentwicklung anbelangt, so sind z.B. die Voraussetzungen im schroffen Westtirol mit den tief eingeschnittenen Tälern andere als in der offenen und lieblichen Bergwelt der Kitzbüheler Alpen, wo zudem noch der Markenname Kitzbühel einen starken Anreiz bietet, näher zusammenzurücken. Und gerade am Beispiel der Kitzbüheler Alpen mit der sehr gut entwickelten, destinationsübergreifenden Zusammenarbeit wird deutlich, dass es dem Gast nicht nur egal ist, wo die Gemeindegrenzen verlaufen, sondern das ihn auch der Verlauf der Destinationsgrenze herzlich wenig interessiert.

Rechtsform: Also wenn ich meinen Blick wiederum auf Tirol richte, dann stelle ich mir schon die Frage, was denn bei einer GmbH – von den steuerlichen Aspekten und der fehlenden direkten Zugriffsmöglichkeit der Landesbehörde – besser sein soll als in einem Tourismusverband. Betrachte ich die vorhandenen Beispiele, so sind jedenfalls die Key-Player weitestgehend dieselben. Auch wage ich ernsthaft zu bezweifeln, dass die Entsendung regionaler Interessenvertreter für mehr Sachlichkeit sorgen würde.

Schlanke Gremien: Die Vergrößerung der Tourismusverbände und damit der Destinationen hat nicht zuletzt aufgrund der immer herausfordernder und komplexer werdenden Aufgaben dazu geführt, dass die besten Köpfe an Bord sind. Gleichzeitig ist eine hohe Kontinuität bei den Funktionären und in den Geschäftsführungen zu beobachten. Und was die Schlankheit der Gremien betrifft: Schlanker als in einigen großen und erfolgreichen Tourismusverbänden in Tirol geht es wohl nicht mehr. Die guten Beispiele bestätigen auch, dass es im Endeffekt nicht auf die Rechtsform ankommt sondern auf die handelnden Personen.

Perspektive: Um zum Schluss auf die Eingangsfrage von Gernot Riedl zurückzukommen: Ja, Kooperation im Tourismus muss innerhalb der Destination funktionieren und sie kann, soll und muss die Destinationsgrenzen überschreiten. Ein Verschieben der Destinationsgrenzen ist deswegen aber nicht unbedingt erdorderlich. Denn die Hinderungsgründe für Kooperationen sind wohl mehr in den Köpfen der Akteure zu suchen als in administrativen Grenzen.

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