14. Mai 2020 | 15:57 | Kategorie:
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Tourism 4 Future: Wie geht Wandel?

Ich stimme Harald Friedl in seinem Kommentar zu meinem letzten Blogbeitrag zu: … damit aus einer kurzfristigen Begeisterung eine neue Lebensorientierung und ein neuer Lebensstil ENTSTEHEN und dann auch „nachhaltig“ BESTEHEN könne, braucht es neben dem ersten Impuls der Begeisterung auch veränderte Rahmenbedingungen: eine veränderte Welt …

Harald Friedl spricht damit einen zentralen Punkt gesellschaftlichen Wandels an: das Zusammenspiel individueller und institutioneller Faktoren. Institutionelle Regeln geben dem individuellen Handeln einen Rahmen vor, den der / die Einzelne nicht übertreten kann. Tut er es trotzdem, drohen Sanktionen.

Wie wir den Rahmen verändern können

Anders gesagt, als private Individuen haben wir Freiheiten, die wir als institutionelle Personen nicht haben. Zuhause praktiziert Frau Weber mit ihrer Familie bereits einen Lebensstil mit maßvollem Fußabdruck. Als Geschäftsführerin eines börsennotierten Konzerns hingegen sind ihren klimaneutralen Intentionen enge Grenzen gesetzt. Solange das Diktat Wachstum um jeden Preis herrscht, bleiben ihr die Hände gebunden.

In der Tat findet Wandel erst statt, wenn das Handeln einzelner zu institutionellen Regeländerungen führt, die ein ähnliches Handeln aller ermöglicht und begünstigt. Der entscheidende Punkt an diesem Wechselspiel: Wir haben beides in der Hand. Auf beiden Seiten des Alltags sind Menschen die Entscheidungsträger und Handelnden.

Ein Beispiel für dieses Wechselspiel, das dessen grundlegende Machbarkeit beweist: Die Änderung des Kreditvergabe-Gesetzes, die Heini Staudinger, der Geschäftsführer der Waldviertler Schuhfirma GEA, mit seinem mutigen Handeln bewirkte. Bis 2016 war allein der Bankensektor dazu berechtigt, Kredite zu vergeben. Heini Staudingers rebellenartiges Dagegenhalten hat diese Vorherrschaft beendet. Nun dürfen auch Private Kredite vergeben, siehe Crowdfunding. Fazit: Eine entfesselnde Belebung vor allem des Innovationssektors, gestemmt von privaten GeldgeberInnen.

Ein Lernen auf zwei Ebenen 

Was lässt sich daraus für den Tourismus ableiten?

Erste Erkenntnis: Wandel ist möglich, wenn wir dieses Wechselspiel mit Geschick und einem entsprechenden Quäntchen Mut, das sicherlich dazu gehört, für die Sache nutzen.

Die touristisch relevante Konsequenz daraus: Wandel braucht Menschen, die dafür ausgebildet werden. Es ist die Aufgabe von Tourismusschulen und Hochschulen als Bildungsinstitutionen, dies zu tun. Sie müssen Lernenden das dafür notwendige Können vermitteln. Entfesselungskönnen gewissermaßen. Dass auch Mut dazugehört und gefördert werden kann, ist evident. Ich bin im Nebenberuf selbst Hochschullehrer. Ich weiß daher: Es ist machbar! Meine Unterrichtspraxis beweist es.

Zweite Erkenntnis: Wandel ist möglich, sofern Veränderungshandeln vorangeht. Darüber zu reden ist zu wenig. Man muss es tun, wie Heini Staudinger bewiesen hat. Klar, im Moment des Tuns wusste er sicher nicht, ob es klappen wird. Es gab kein Beispiel, an dem er sich hätte orientieren können. Deshalb gehört(e) auch Mut dazu. Als Überbrückung von Ungewissheit verdrängt der Mut die Angst, die in solchen Situationen meist als Hemmschuh wirkt.

Die touristisch relevante Konsequenz daraus: Gemeinsam probieren GastgeberInnen – die touristischen Entsprechungen zu Heini Staudinger – Neues aus. Die Gemeinsamkeit fördert den Mut. Und beschleunigt das Learning by Doing. Werden solche Versuche mit politischem Wohlwollen und öffentlichen Geldern zusätzlich gefördert, federt das mögliche Risken ab. Und es bindet, wie gefordert, die institutionelle Ebene mit ein. Kein schlechter Plan also. Zumal erfolgreiche Versuche mit Hilfe der Pioniere sofort ausgerollt werden können. Fazit: Alle profitieren davon.

Anders Reisen und Urlauben lernen hat mehrere Väter und Mütter

Im Idealfall kooperieren mehrere Institutionen bei dieser Aufgabe – Bildung, Wirtschaft, Politik, Verwaltung. Sie ermöglichen individuelles unternehmerisches Handeln, das rückwirkend institutionelle Veränderungen befeuert. Die Menschen in den Institutionen lernen bei diesem mehrstimmigen Tete-a-Tete zweifellos mit: Veränderungen da bewirken Veränderungen dort und umgekehrt. Werden auf beiden Seiten die Lernenden zusätzlich, professionell nach Hebammenart unterstützt, wird es gelingen. So kommt das Neue in die Welt. Zum Beispiel die GeschichtenerzählerInnen, von denen ich in meinem letzten Blogartikel geträumt habe.

Das Neue kommt in die Welt, indem man es tut

Über meine Blogbeiträge haben sich gleichgesinnte Tourismus-ExpertInnen gefunden. Sie wollen ihre reichhaltige Erfahrung gemeinsam dem Wandel widmen. Nun geht es ans Werk. Wir werden darüber berichten.

Auf dass der Wandel gelinge!

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