18. Februar 2021 | 16:55 | Kategorie:
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In Szenarien denken und handeln – ein Gebot der Stunde

Wenn auch die Tourismuswirtschaft, hier vor allem die Hotellerie und Gastronomie, von Lockdowns schwerstens getroffen ist und Monat für Monat mit staatlichen Förderungen ums Überleben kämpft, darf der kritische zukunftsoffene Blick auf die durch die Covid-19 Pandemie ausgelöste Transformation nicht vernachlässigt werden.

Es wird nichts mehr so sein, wie es war.

Dies gilt für unzählige Branchen, ganz besonders aber für die Dienstleistungswirtschaft wie die Hotellerie, Gastronomie und Flugbranche. Die Covid-19 Pandemie, die Digitalisierung, der Klimawandel und die damit einher gehenden Verhaltensänderungen, sind wesentliche Treiber. In Szenarien denken und handeln wird für den touristischen Unternehmer immer mehr zum Gebot der Stunde. Beginnen wir mit einem kurzen realitätsnahen Blick auf Folgewirkungen in der Stadt- und Ferienhotellerie für WIEN und TIROL.

Wien

Die Lufthansa rechnet, dass es in etwa fünf Jahre dauern wird, bis das Vorkrisenniveau erreicht wird, wenn überhaupt. Die Stadthotellerie spricht von 2023/2024, bis eine Erholung eintreten soll. Das Volumen der Geschäfts- und Kongressreisen wird sich durch die virtuelle Welt signifikant vermindern. Das betrifft nicht nur die Hotellerie und Gastronomie in ihrem Kerngeschäft. Auch Museen, Theater, Opern, die mit transkontinentalen Touristen rechnen konnten, werden dies wesentlich spüren. Genauso Kongress- und Veranstaltungszentren, Seminarhotels und ihre Zulieferer. Es müssen ganz rasch Szenarien für neue, alternative Nutzungskonzepte erstellt werden, ganz zu schweigen für die beruflichen Veränderungen der MitarbeiterInnen.

Tirol

Der Tourismus ist in Tirol ein zentraler Wirtschaftsfaktor. In der Ferienhotellerie wird die Reiselust nach den Beschränkungen und Sperren wiederkommen. Etwa ein Drittel der Gästenächtigungen Österreichs kommen aus Tirol. Zwischen 35 und 40 Prozent der direkten und indirekten Einnahmen des BIP in Tirol sind dem Tourismus zuzuordnen. Über 50 Prozent der Beschäftigten im Tourismus werden aus dem Ausland rekrutiert, denn ein erheblicher Teil der Tiroler hat sich seit längerem von der Branche schon aus unterschiedlichsten Gründen verabschiedet: Niedriglohnbereich, unregelmäßige Arbeitszeiten, mangelnde Tourismusgesinnung etc. Nicht wenige Betriebe in der Hotellerie – und noch mehr in der Gastronomie – dürften diesen Lockdown nicht überleben. Um neue bzw. anzupassende Hotelkonzepte und Investorenmodelle, vor allem auch Alternativen zum Tourismus wird das Land nicht umhinkommen. Neben den Unternehmen sollten sich das Land Tirol und die Destinationen intensiv mit Szenarien beschäftigen und auch Taten setzen, wie ihre Region mit und abseits des Tourismus gestaltet werden kann. Es soll auch eine Chance sein, mehr Einheimische in qualifizierte Berufe zu bringen. Die Digitalisierung ist nicht ortsgebunden und macht vieles möglich, auch in den entlegeneren Tälern. Eine stärkere Diversifikation wirkt risikomindernd und ist ohnehin überfällig: Schließlich hat Tirol durch die (zu hohe?) Tourismusintensität derzeit die höchste Arbeitslosigkeit und rangiert in der Einkommensskala auf dem vorletzten Platz aller Bundesländer.

Dieser Beitrag ist ein Aufruf, die Zeiten des Lockdowns für zukunftsoffene Szenarien zu nützen. Wetten, dass es schon unzählige innovative Ideen und Konzepte kreativer Köpfe gibt, die nur drauf warten, endlich umgesetzt zu werden?

19. Februar 2021, 10:44

Sehr geehrte Frau Danler,

Ihrem Beitrag kann ich nur hundertprozentig zustimmen. Wenn Sie zum Schluss aber schreiben, „Wetten, dass es schon unzählige innovative Ideen und konzepte kreativer Köpfe gibt, die nur darauf warten, endlich umgesetzt zu werden?“, dann muss auch die konkrete Frage erlaubt sein, WER willens und qualifiziert ist bzw. wäre, diese Ideen und Konzepte umszusetzen? Denn zumeist braucht es am Anfang eines solchen Prozesses zweierlei: Geld und nicht selten auch neue Gesetze, Richtlinien usw. WER aber bestimmt, ob für Neues (mit logischerweise verbundenen Risiken) Geld zur Verfügung gestellt wird? Und genau da wird es haken, denn die bestimmenden Kräfte werden versuchen, möglichst rasch einfach wieder so weitermachen zu können, wie bisher. Und die Geldwirtschaft ist in Österreich im Tourismusbereich in einem so hohen Maße mit der „traditionellen“ touristischen Betriebsstruktur und ihrer Angebotspolitik verwoben, ja abhängig, dass sie kaum Reserven haben dürfte, um „unzähligen innovativen Ideen und Konzepten“ die nötige finanzielle Unterstützung zu geben.

Das notwendige „Risikokapital“ für Neues wäre bei der hohen Sparquote in Österreich schon da, aber viele Banken verkaufen halt lieber (international tätige, oft kaum transpaprente) Fonds, von denen sie eine Verkaufsprovision kassieren, als heimischen Startups – die gibt es ja auch im Tourismusbereich – zum Erfolg zu verhelfen. Nicht ohne Grund verkaufen österreichische „Senkrechtstarter“ ihre Firmen meist relativ rasch wieder, weil ihnen nach dem Ersterfolg das Geld fürs weitere Wachstum fehlt. Sie verkaufen meist an eine große ausländische Firma ihrer Branche oder einen internationalen Fond, für den österreichische Banken hierzulande zuvor Geld eingesammelt haben… Blieben für neue Ideen und Konzepte noch (hoffentlich heimische) Investoren aus anderen Branchen (Beispiele: Haselsteiner/Westbahn; Mateschitz/Servus TV), die sinnvollerweise eher in wirklich Neues investieren dürften als irgend eine in die Jahre gekommene Bettenburg im Lederhosenstil zu kaufen, nur um die Insolvenz der gegenwärtigen Eigentümer abzuwenden.

19. Februar 2021, 10:52

Und wo, bitte, sind die „Szenarien für neue, alternative Nutzungskonzepte“ von Frau Mag. Danler?

19. Februar 2021, 11:49

Liebe Koschka,
das Wesen eines Blocks sind Themen anzureißen und nicht fertige Konzepte hineinzustellen. Das würde den Rahmen sprengen.
Herzlichst,
Renate

20. Februar 2021, 10:44

Liebe Renate. Gratuliere. Sehr guter Beitrag. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Mal sehen, wer aller die Notwendigkeit zu Veränderungen mitmacht.

20. Februar 2021, 11:25

Vielen Dank für den lesenswerten Beitrag! Ich meine ebenfalls, dass die Feriengäste gerne wiederkommen werden, sobald die Reisebeschränkungen werden aufgehoben worden sein.

20. Februar 2021, 18:17

„Nicht die stärksten oder die intelligentesten werden die Krise als Gewinner überleben sondern die anpassungsfähigsten….“ habe ich letzte Woche gelesen…
Danke dir Renate für diese wichtige Botschaft. Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben und die Welt wird in einem Jahr anders ausschauen. Heute habe ich erfahren wie sich die Krise auf die Piloten auswirkt: in einem Jahr wird es zwar die meisten Flugzeuge noch geben aber nur mehr die halben Piloten….
2019 und dessen zahlen werden nie mehr wieder kommen. Wir müssen uns Gedanken machen was wir aus den vielen Hotels machen werden die nicht mehr aufsperren können. Auch hier werden die schnellsten den Vorzug haben. Die Politik MUSS sich nun ändern – das gilt für Tirol noch mehr als für Wien. Bisher ist noch wenig zu bemerken. Neue jüngere talentierte Menschen müssen sich zur Verfügung stellen mit Vorstellungen, die die jetzige Generation nicht mittragen kann.
Eine spannende und chancenreiche Zeit…..peterlorenz

22. Februar 2021, 18:59

Der Artikel hat einen wahren Kern. Tirol lebt vor allem vom Tourismus, aber jetzt gibt es hier eine Art Zeitenwende. Es wird für Tirol schwer sein, ad hoc neue Industriezweige bzw. innovative Unternehmen zu positionieren, aber die Krise wird einen Anstoss dazu geben. Diese Krise wird zu einem Umdenken führen- nicht zuletzt das verbetonieren der Landschaft in Tirol mit neuen Hotelkomplexen bremsen bzw. wertzuschätzen, dass der Tourismus der Zukunft vielleicht weniger Events und Action sucht, und hier einer „gesünderen“ Entwicklung des Tourismus Raum gibt.Der Tourismus nach Corona wird vielleicht in den nächsten Jahren nichtsosehr vom internationalen Tourismus geprägt sein und nicht mehr Wachstumszahlen erwirtschaften, die Tirol bis dato gewohnt war, aber wie wir ja bemerken, sind die Menschen schon wieder sehr hungrig, wegzufahren- und insbesondere die Natur zu geniessen…das gibt Hoffnung, daß Tirol wieder bessere Zeiten sehen wird. Und ohne ketzerisch zu sein, ist ja doch zu bemerken, dass die finanzielle Unterstützung durch staatliche Mittel die Tourismuswirtschaft bis dato zu einem gewissen Teil stabilisiert. Frau BM Gewessler hat kürzlich in einer Konferenz gesagt, es ist jetzt ein historischer Moment, sich richtig zu entscheiden. und das gilt auch für die Ausrichtung des Tourismus in der Zukunft.

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